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IR Notes 61 – 12 Oktober 2016
www.irshare.eu
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Über IR Share
IR Share
bietet Zugriff auf Informationen, Dokumentationen und
Fachwissen für Personalmanager und Arbeitnehmervertreter. IR Share
arbeitet mit Online- Veröffentlichungen, Arbeitsgruppen,
themenspezifischen Schulungen und einem Expertennetzwerk.
Das Team: Diese
Ausgabe wurde erstellt bei Catarina Carvalho, Tamás Gyulavári, Alain
Lefebvre und Frédéric Turlan. Erfahren Sie mehr über das IR
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Interview
Jean-Claude Marcourt, wallonischer Minister für Wirtschaft, Industrie,
Innovation und Digitalisierung
Mit
welchen Maßnahmen hat die wallonische Regierung auf die
Ankündigung von Caterpillar reagiert, seine Betriebsstätte
Gosselies mit über 2000 Beschäftigten zu
schließen? Wir haben auf wallonischer
Ebene umgehend eine Task Force eingerichtet mit Vertretern aus
Regierung und Gewerkschaften, von Sogepa (Anm. d. V.: ein
Investitionsfonds, der Initiativen zur Neuausrichtung von
Unternehmen finanziell unterstützt und begleitet) und dem Ausschuss
zur strategischen Weiterentwicklung von Charleroi. Die für die
Wirtschaftsentwicklung (Igretec) und die öffentliche
Arbeitsvermittlung (Forem) zuständigen Akteure werden automatisch
mit einbezogen, falls sich die Schließungspläne konkretisieren
sollten.
Und
auf föderaler Ebene? Auf föderaler
Ebene wurde eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die sich aus dem
Präsidenten, den Vizepremierministern und der Arbeitsministerin der
wallonischen Regierung und, auf föderaler Ebene, aus
Premierminister, dem Minister für Wirtschaft und Beschäftigung, der
Ministerin für soziale Angelegenheiten, dem Minister für den
Mittelstand und Selbständige und natürlich aus Vertretern der
Gewerkschaften zusammensetzt. Die erste Sitzung fand am 12.
September statt.
Haben
Sie Kontakt zur Europäischen Kommission
aufgenommen? Es gibt gezielte Maßnahmen
auf europäischer Ebene, insbesondere im Rahmen des Treffens vom 7.
September zwischen dem wallonischen Ministerpräsidenten, dem
Präsidenten der Europäischen Kommission, dem Vizepräsidenten Jyrki
Katainen und der Kommissarin Marianne Thyssen. Dieses Treffen hatte
die Einrichtung einer europäischen Task Force zur Folge, die sich
aus Präsident, Vizepräsident und Arbeitsministerin der wallonischen
Regierung, aus den zuständigen Generaldirektionen der Europäischen
Union sowie aus einer Anzahl an wallonischen Interessenvertretern
zusammensetzt, zu denen insbesondere die Personen gehören, die auch
in der wallonischen Task Force vertreten sind. Die europäische Task
Force traf sich zum ersten Mal am 3. Oktober und plant monatliche
Treffen. Dieses Gremium ermöglicht eine genaue Kontrolle der
Anträge, die möglicherweise an Europa gestellt werden, insbesondere
über den Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung,
aber auch zur Unterstützung der Subunternehmer und
Zulieferer.
Welche Beziehung unterhalten Sie zu
den Gewerkschaften? Wir haben uns
gleich am 2. September mit ihnen getroffen und stehen in ständiger
Verbindung. Sogepa hat intern eine Stelle eingerichtet, die sich mit
dieser Sache beschäftigt, und eine Anwaltskanzlei wurde mit der
Beratung der Gewerkschaften beauftragt. Zum jetzigen Zeitpunkt hat
die Ausarbeitung von Alternativen zur Schließung Vorrang bei
Gewerkschaften und Regierung.
Wie
wird die Koordinierung zwischen den Interessenträgern
gewährleistet? Meine Mitarbeiter haben
die zentrale Kontrolle über alle Kontakte und Informationen, in
Zusammenarbeit mit dem Büro der Arbeitsministerin. Alle wallonischen
Wirtschaftsakteure wurden gebeten, nur einen einzigen
Ansprechpartner zu benennen, um den Informationsaustausch zu
vereinfachen. Wir haben uns auch mit den Arbeitgeberverbänden
getroffen und die Banken angesprochen, die bestimmte Verfahren für
die Beschäftigten und für die Subunternehmer eingerichtet
haben.
Welche Maßnahmen ergreifen Sie im
Hinblick auf die Subunternehmer? Sogepa
hat eine Liste mit den wichtigsten Industrie- und
Logistikzulieferern erstellt. Sie wurden zu einem Treffen
eingeladen, und die ersten Einzeltermine wurden bereits anberaumt.
Hierbei sollen die spezifischen Bedürfnisse jedes Zulieferers in
finanzieller, rechtlicher und strategischer Hinsicht gezielt
ermittelt werden.
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Agenda
12. Oktober Brüssel Marianne
Thyssen, EU-Kommissarin für Beschäftigung, legt dem Ausschuss für
Beschäftigung und soziale Angelegenheiten des Europäischen Parlaments
den Vorschlag zur Überarbeitung der Entsenderichtlinie vor (siehe Programm).
14.
Oktober Paris 6.
Gesprächsrunde mit dem Conseil d’État, dem höchsten französischen
Verwaltungsgericht über „das
Sozialrecht und die internationale Norm“. Ein runder Tisch
widmet sich dem Thema „Die Berücksichtigung von europäischen und
internationalen sozialen Normen durch das Gericht“ mit Jean-Philippe
Lhernould, Stéphane Gervasoni und Jean-Guy Huglo.
24.
Oktober Brüssel Erste, vom
Europäischen Gewerkschaftsinstitut organisierte „zukunftsgewandte
Diskussion“ zum Thema „Nachhaltigkeit:
eine europäische Marke“ mit Karl Falkenberg, Seniorberater des
Präsidenten der Europäischen Kommission für nachhaltige Entwicklung,
Luca Visentini, EGB-Generalsekretär und Philippe Pochet, Generaldirektor
des ETUI.
9.
November Paris Die Abteilung
des französischen Arbeitsministeriums für den Forschungs-, Studien- und
Statistikbereich (DARES) organisiert ein Kolloquium mit dem Titel „Behinderte
Arbeitnehmer: Welchen Platz nehmen sie im Unternehmen
ein?“, u. a. werden die in anderen europäischen
Ländern durchgeführten öffentlichen Förderungsmaßnahmen zur
Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer vorgestellt.
22.
November Paris In einem von
DARES organisierten Kolloquium über „Einsichten
zur Arbeitsqualität “ werden die auf der Grundlage der
Untersuchung „Arbeitsbedingungen“ durchgeführten Forschungen
vorgestellt.
28. – 29.
November Berlin Seminar zur
Integration
von Flüchtlingen und Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt,
organisiert von der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens-
und Arbeitsbedingungen, mit Experten aus sechs Mitgliedstaaten (Belgien,
Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande und Österreich).
16.
Dezember Brüssel Monatliches
Forum des Europäischen Gewerkschaftsinstituts über
berufsbedingten Krebs in Europa (EN).
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IR Notes
erscheint alle 14 Tage in mehreren europäischen
Sprachen und wird von IR
Share und seinem Expertennetzwerk
herausgebracht. Dieser Newsletter bietet ein europaweites Monitoring zu
Arbeitsrecht, Arbeitsbeziehungen und Beschäftigungspolitik. Er kann für
einen Betrag von monatlich 15,00 Euro zzgl. MwSt. auf der IR Share-Website
abonniert werden. IR
Share ist ein unabhängiges und nicht
parteigebundenes Privatunternehmen, das alle Akteure des sozialen Dialogs in
Europa und darüber hinaus informieren und unterstützen will. IR Share stellt
seit 2009 die Frankreich- und Luxemburg- Korrespondenten der Dubliner
Stiftung (Eurofound) und seit 2014 auch für Bulgarien.
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In den
Schlagzeilen
Das
Europäische Parlament fordert die Kommission im Bereich der Massenentlassungen
nachdrücklich zum Handeln auf
Die europäischen Abgeordneten haben am 5. Oktober mit großer Mehrheit (472
Ja-Stimmen, 103 Nein-Stimmen, 99 Enthaltungen) eine Entschließung zur „Notwendigkeit
einer europäischen Reindus-trialisierungspolitik vor dem Hintergrund der
aktuellen Fälle Caterpillar und Alstrom“ angenommen, in der sie die
Kommission auffordern, vor dem Hintergrund dieser beiden Fälle „die Sozialpartner zu
der Wirksamkeit der Rechtsvorschriften über Massenentlassungen zu konsultieren.“ Sie
bedauern „die schrittweise Finanzialisierung der Realwirtschaft, die auf
kurzfristige Finanzplanungen ausgelegt ist” und präzisieren ihre Position zu
Massenentlassungen: Sie fordern die Kommission auf, „die Sozialpartner bezüglich der
Möglichkeit einer Überarbeitung der geltenden Rechtsvorschriften“ zu konsultieren,
„und insbesondere der Einbeziehung aller Arbeitnehmer und Sub-unternehmen in das
Verfahren Rechnung zu tragen, sowie [bezüglich der Möglichkeit] über wirksame
Maßnahmen zur Vorbeugung unrechtmäßiger Massenentlassungen, die nicht auf realen
wirtschaftlichen Gründen beruhen, darunter die Möglichkeit zur Verhängung von
Sanktionen, beispielsweise die Aussetzung des Zugangs zu EU-finanzierten Programmen
oder die Forderung der Rückzahlung von öffentlichen Finanzhilfen“. Die Abgeordneten
fordern ferner die von der Kommission für den Fall Caterpillar eingerichtete Task
Force auf, „zu untersuchen, wie das Verfahren der Anhörung des Europäischen
Betriebsrats (EBR) durchgeführt wurde”. Die Kommission muss daraufhin prüfen, „ob
die EBR-Richtlinie überarbeitet werden muss“. Und schließlich wird der Europäische
Fonds für die Anpassung an die Globalisierung, dessen Mittel Belgien im Zusammenhang
mit der Schließung der Betriebsstätte von Caterpillar beantragen wird, in der
Entschließung uneingeschränkt unterstützt – ein Instrument, das zurzeit von der
Kommission evaluiert wird. Die Entschließung richtet sich auch an die
Interessenträger der Umstrukturierungen: Die Unternehmen müssen „den rechtlichen
Verpflichtungen nachkommen“ und „dabei der Unterrichtung und Anhörung der
Arbeitnehmer sowie der Möglichkeit der Überprüfung der von den Sozialpartnern
vorgeschlagenen Alternativen Vorrang einräumen“. Jede Umstrukturierung muss „soweit
angemessen, den Interessenträgern erklärt und begründet werden […], was auch für die
Wahl der […] vorgesehenen Maßnahmen […] gilt“. Der Text fordert ferner dazu auf,
„ortsbezogene Dialoge mit Beteiligung aller Interessenträger zu führen, um die
bestmöglichen Regelungen im Fall von Umstrukturierungen zu erörtern“. Die
Abgeordneten legen Wert auf die „Bedeutung eines sozialen Dialogs […] für die Suche
nach einvernehmlichen Lösungen und gemeinsamen Zielsetzungen bei Ankündigung,
Abwendung und Bewältigung von Umstruk-turierungsprozessen“. In diesem Rahmen gilt es
auch, „die betroffenen Arbeitnehmer mit Blick auf ihre Gesundheits- und
Arbeitsbedingungen, die soziale Sicherheit, die Neuqualifizierung und die
Wieder-eingliederung in den Arbeitsmarkt” zu schützen. Diese Entschließung ist
natürlich nicht bindend, aber sie macht deutlich, dass das Parlament eine starke
Position zum Schutz der Arbeitnehmer vertreten wird, wenn es darum gehen wird, über
die Überarbeitung der EBR-Richtlinie, den Qualitätsrahmen für Umstrukturierungen,
den Europäischen Fonds zur Anpassung an die Globalisierung oder die Neufassung der
drei Richtlinien über die Unterrichtung und Anhörung zu diskutieren.
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1.
Europäische Union
Aktuelle
soziale Themen
- Vorbereitung des Berichts des Parlaments
über die europäische Säule sozialer Rechte:
Die Mitteilung der Kommission im März über eine „europäische
Säule sozialer Rechte“ ist Gegenstand eines parlamentarischen
Berichts, der von der portugiesischen Abgeordneten des Europäischen
Parlaments Maria Joao Rodrigues (S&D-Fraktion) erstellt wurde. Die
Mitteilung ist zurzeit Gegenstand einer öffentlichen Konsultation, die Ende
Dezember abgeschlossen wird. Dieser Bericht, der im Dezember dem
parlamentarischen Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten zur
Abstimmung vorgelegt und Anfang 2017 dem Plenum vorgestellt wird, fordert
konkrete Maßnahmen zur Versöhnung von Bürgern und Arbeitnehmern mit der EU. Der
Text fordert insbesondere „den Erlass einer Richtlinie zu gerechten
Arbeitsbedingungen für alle Formen der Erwerbstätigkeit, die für alle
Beschäftigten ein Grundpaket an durchsetzbaren Rechten sicherstellt“ und für
Angestellte und „alle Erwerbstätigen in nicht standardmäßigen
Beschäftigungs-verhältnissen gelten sollte (Arbeit auf Abruf, selbständige
Erwerbstätigkeit, Crowd-Working, Praktika etc.).
- Europass: Die Europäische
Kommission hat am 4. Oktober einen Vorschlag
für einen Beschluss „für einen gemeinsamen Rahmen für die Bereitstellung
besserer Dienste für Kompetenzen und Qualifikationen (Europass)
vorgelegt, um die von Europass vorgeschlagenen Instrumente (wie den Europäischen
Lebenslauf) zu stärken und zu modernisieren (siehe Mitteilung).
- Jugendgarantie: Die
Europäische Kommission hat am 4. Oktober eine Mitteilung
(auf Englisch) vorgelegt, in der sie die Anwendung der Jugendgarantie seit dem
Start 2013 bewertet und Verbesserungen vorschlägt (siehe Mitteilung).
- Einrichtung von nationalen Ausschüssen für
Produktivi-tät: Der Rat hat am 20. September eine Empfehlung
verab-schiedet, mit der die Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets aufgerufen
werden, nationale Ausschüsse für Produktivität einzurichten (siehe Pressemitteilung).
Ein Erwägungsgrund der Empfehlung soll die Sozialpartner beruhigen, da die
Ausschüsse „die einzelstaatlichen Lohnbildungspraktiken und -institutionen
achten“ sollten und „ihre Tätigkeit das Recht von Arbeitnehmern und Arbeitgebern
oder ihren jeweiligen Organisationen, […] Tarifverträge auf den geeigneten
Ebenen auszuhandeln und zu schließen sowie kollektive Maßnahmen zu ergreifen,
unberührt lassen.“
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Sektoraler
sozialer Dialog
- Wiederbelebung des sozialen
Dialogs: Die europäischen Sozialpartner der
Metallindustrie (Ceemet und IndustriAll Europe) haben am 19. September eine Erklärung
zur Wieder-belebung des sozialen Dialogs angenommen, der im März 2015 von der
Europäischen Kommission eingeleitet worden war. In der Erklärung beharren sie
auf der Bedeutung des sektoralen sozialen Dialogs und verteidigen die notwendige
Autonomie der Sozialpartner und die bisherigen Ergebnisse, auch wenn sie keine
verbindlichen Vereinbarungen erzielen konnten.
- Gemeinsame Erklärung der Banken im
Privatkunden-geschäft: Die Europäischen Sozialpartner im
Bankensektor (UNI Europa Finance und ESBG) veröffentlichten am 13. September
eine gemeinsame
Erklärung zur Verteidigung des regionalen Bankensystems für
Privatkunden, insbesondere im Rahmen der neuen Eigenkapital- und
Liquiditätsstandards, die in der Basel-III-Vereinbarung vorgesehen sind (siehe
Mitteilung UNI
Europa et ESBG).
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Gewerkschaften
Kongress der IndustriAll Global Union:
Der Kongress des globalen Gewerk-schaftsverbands IndustriAll Global Union
fand vom 4. bis 7. Oktober in Brasilien statt. Als neuer Präsident und Nachfolger
von Berthold Huber wurde Jörg Hofmann gewählt, der jetzige IG Metall-Vorsitzende.
Neuer Generalsekretär ist der Brasilianer Valter Sanches
(Metallgewerkschaftsverband CNM/CUT) (siehe Pressemitteilungen
über die Zusammensetzung
und den Kongress).
Der Kongress änderte die Satzung, um die Frauenquote im Gewerkschaftsverband zu
erhöhen und nahm die iranische Gewerkschaft der Metallarbeiter und Mechaniker (UMMI)
als neues Mitglied auf.
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2.
Mitgliedstaaten
Polen
- Nachtarbeitsvergütung:
Bislang erhielten die Beschäftigten für Nachtarbeit den
gleichen Mindestlohn wie ihre Kollegen, die tagsüber arbeiten. Ab 1. Januar 2017
darf die Nachtarbeitsprämie von 20 % nicht mehr in die Berechnung des
Mindestlohns einfließen. Folglich werden Nachtarbeiter künftig die gesetzlich
vorgeschriebene Prämie von 20 % zusätzlich zu ihrem Mindestlohn erhalten.
- Gemeinsame Position polnischer und
deutscher Gewerkschaften zur Vergütung von Lkw-Fahrern:
Anlässlich des 7. Deutsch-Polnischen Gewerkschaftsforums haben die drei
polnischen Gewerkschaftsbünde NZZ Solidarnosc, OPZZ und FZZ zusammen mit dem
Deutschen Gewerk-schaftsbund DGB eine gemeinsame
Erklärung (auf Englisch) an Violette Bulc, EU-Kommissarin für Verkehr
und Transport, unterzeichnet. Darin verlangen sie die Anwendung des deutschen
Mindestlohns auf polnische Lkw-Fahrer, die in Deutschland tätig sind, auch bei
Transit- und Kabotage-Fahrten. Piotr Duda, Präsident der polnischen Gewerkschaft
NSZZ Solidarnosc, bekräftigt, dass Polen „die Lohngleichheit in der Europäischen
Union anstreben muss“.
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Portugal
- Kampf gegen die modernen Formen der
Zwangsarbeit: Das am 22. September in Kraft getretene Gesetz 28/2016 vom 23.
August regelt die zehnte Änderung des Arbeitsrechts. Die modernen Formen
der Zwangsarbeit sollen bekämpft werden, indem die Haftung für die Zahlung von
Löhnen und Gehältern, von Sozialabgaben oder Bußgeldern auf weitere Akteure
ausgedehnt wird und nicht mehr allein die „direkten“ Arbeitgeber betrifft:
Haften sollen nun auch Unternehmen, an denen der direkte Arbeitgeber beteiligt
ist, Unternehmen, die Leiharbeitnehmer beschäftigen sowie andere Subunternehmer.
Diese gemeinsame und subsidiäre Haftung betrifft die Unternehmen, und darüber
hinaus auch die Geschäftsleitung und die Firmenverantwortlichen.
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Ungarn
- Rückkehr zu zivilrechtlichen Verträgen in
Studenten-genossenschaften: Die
Beschäftigungsverhältnisse zwischen Studenten und Studentengenossenschaften, die
mit Zeit-arbeitsfirmen gleichzusetzen sind, unterlagen bislang dem Arbeitsrecht.
Dieser Rechtsrahmen wurde jetzt geändert, und seit dem 1. September führen
Studenten ihre Tätigkeiten in den Studentengenossenschaften im Rahmen eines
zivilrechtlichen Dienstleistungsvertrags aus, der nur wenige soziale Rechte
einräumt, wie das Recht auf bezahlten Urlaub. Von einigen Ausnahmen abgesehen
gelten die im Arbeitsrecht verankerten Schutzrechte nun nicht mehr für
Studenten.
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3.
Unternehmen
Europäische
Betriebsräte
Legrand: Die
Unternehmensleitung und die Mitglieder des EBR der Legrand-Gruppe (36.000
Beschäftigte), einem Spezialisten für Material und Systeme für Elektro-installation
und Informationsnetze, haben am 22. Juni eine Zusatzvereinbarung
(auf Französisch) zu ihrer EBR-Vereinbarung vom 30. September 2013 unterzeichnet.
Darin werden mehr Mittel für die Mitglieder und für den Betriebsrat ein
Betriebsbudget von EUR 6000,00 bereitgestellt und das Anhörungsverfahren
überarbeitet. „Diese Zusatzvereinbarung ermöglicht eine regelmäßigere Unterrichtung
und Anhörung des Betriebsrats“, so EBR-Vorsitzender Thierry Chanteraud (CGT).
- ArcelorMittal: Die drei
Arbeitsgruppen des Europäischen Betriebsrats von ArcelorMittal (Beschäftigung,
Arbeitssicherheit und Gesundheit, Nachhaltige Entwicklung) schließen derzeit
ihre gemeinsame Arbeit über die Problematik der Unter-auftragsvergabe im Konzern
ab. Der gemeinsame Abschlussbericht soll bei der nächsten, noch vor dem
Jahresende angesetzten Vollversammlung angenommen werden.
- Metro: Die
Unternehmensleitung von Metro (200.000 Beschäftigte) hat die Änderung der
Konzernstruktur beschlossen: Bis Mitte 2017 soll die Aufspaltung des
Handelskonzerns in das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft (Metro Cash &
Carry) und in die Unterhaltungselektronik (Saturn) vollzogen sein. Diese
Transformation wird dazu führen, dass der jetzige EBR für die
Unterhaltungselektronik zuständig bleibt und Verhandlungen über die Einrichtung
eines neuen EBR bei Metro Cash & Carry eingeleitet werden. Ein Treffen
zwischen der Unter-nehmensspitze, den Gewerkschaften und UNI Europa, bei dem der
Zeitplan für die Verhandlungen festgelegt werden soll, ist für den 3. November
angesetzt.
> Vorbeugung von psychosozialen
Risiken: Der euro-päische
Gewerkschaftsverband EFFAT hat auf seiner Webseite Informationsmaterial für EBRs
online gestellt, damit diese eine aktive Rolle bei der Vorbeugung psychosozialer
Risiken übernehmen können (Nur Mitglieder können auf dieses Material zugreifen).
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Umstrukturierungen
Caterpillar:
Gewerkschafter von den Betriebsstätten von Caterpillar in Belgien, England
und Frankreich haben am 26. September an einer von IndustriAll organisierten
Koordinationssitzung teilge-nommen (siehe Pressemitteilung
Indus-triAll). Die Gewerkschaften haben sich auf eine Reihe von gemeinsamen Aktionen
verständigt, darunter auf einen „europäischen Mobilisierungstag“. Die
EU-Sozialvorschriften wurde offenbar eingehalten, denn der EBR wurde vor der
Ankündigung am Standort unterrichtet und es wurde eine künftige außerordentliche
Sitzung anberaumt. Die Arbeit-nehmervertreter kritisieren jedoch die Tatsache, dass
die Unterrichtung des EBR nur den belgischen Standort betrifft, da die
Unternehmensleitung der Ansicht ist, dass die Schließung des englischen Standorts
nicht Teil desselben Umstrukturierungsprojekts ist und unabhängig von der Schließung
des belgischen Standorts erfolgt, was von IndustriAll bestritten wird.
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Transnationale Vereinbarungen
- H&M: Der
internationale Gewerkschaftsverband IndustriAll, seine schwedische
Mitgliedsgewerkschaft IF Metall und die Unternehmensleitung des Textilkonzerns
H&M haben ihre 2015 für ein Jahr abgeschlossene internationale
Rahmenvereinbarung am 29. September auf unbestimmte Dauer verlängert. Aus der Pressemitteilung
von H&M (auf Englisch) geht hervor, dass im Rahmen der Vereinbarung bereits
nationale Begleitausschüsse zur Überwachung des reibungslosen Ablaufs der
Kollektiv-verhandlungen in Bangladesh, Myanmar, Indonesien und in der Türkei
eingerichtet wurden.
- Tchibo: Der internationale
Gewerkschaftsverband IndustriAll Global Union und Tchibo haben am 27. September
eine internationale
Rahmenvereinbarung unterzeichnet, die die Beschäftigten der
Tchibo-Lieferanten von Non-Food-Produkten sowie die in diesen Unternehmen
vertretenen Gewerkschaften berechtigt, die Löhne und Gehälter, Sozialleistungen
und Arbeitszeiten in diesen Unternehmen und in der gesamten Branche im Rahmen
von Kollektivverhandlungen auszuhandeln.
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Gewerkschaften
- Shell: Gewerkschafter von
Mitgliedsgewerkschaften der IndustriAll Global Union kamen am 19. und 20.
September aus 18 Ländern zum zweiten Treffen des Globalen
Gewerk-schaftsnetzwerks von Shell zusammen, um die Situation der Arbeitnehmer in
den Ländern zu untersuchen, in denen Shell tätig ist (siehe Pressemitteilung).
Eine Umfrage (siehe Pressemitteilung,
auf Englisch) über den massiven Missbrauch von prekärer Arbeit durch Shell wurde
vorgestellt. In einem Schreiben
(auf Englisch) an die Unternehmensleitung von Shell wird ein globaler sozialer
Dialog gefordert.
- SKF: Der Welt-Betriebsrat
von SKF tagte vom 20. bis 22. September, um über die Arbeitsbeziehungen im
Konzern zu diskutieren. Bei einem Austausch mit der Unternehmensleitung stellte
diese den Delegierten die Strategie und die Herausforderungen der „vierten
industriellen Revolution“ vor. Die Delegierten forderten auf lokaler wie auf
globaler Ebene einen stärkeren sozialen Dialog, der die angekündigten
Veränderungen begleiten soll (siehe Mitteilung,
auf Englisch).
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4. Studien
und Berichte
“Labour and social transformation in Central
and Eastern Europe”. Die Funktionsweise von Wirtschaft und
Arbeitsbeziehungen in den osteuropäischen Ländern besser verstehen, nicht nur in den
Staaten, die bereits häufig Gegenstand von Untersuchungen waren, wie die
Tschechische Republik, Polen oder Ungarn, sondern auch in den weiter entfernten
Ländern wie den Balkanstaaten – dies ist das Ziel des von der französischen
Wirtschaftswissenschaftlerin Violaine Delteil und dem bulgarischen Soziologen Vassil
Kirov herausgegebenen Werks.
Mit Beiträgen von hochrangigen Wissen-schaftlern wie Guglielmo Meardi, Jan
Drahokoupil, Martin Myant und John Geary sowie von jungen Forschern liegt der
Schwerpunkt auf der anhaltenden Schwäche des sozialen Dialogs in diesen Ländern. Die
Europäische Kommission hat letztendlich relativ wenig Druck auf die neuen
Mitgliedstaaten ausgeübt, sich an den gemeinschaftlichen Besitzstand
anzupassen, und die Arbeitsbeziehungen durch ihre Vorgehensweise bei der Krise 2008
zur Förderung von Reformen, die, wie in Rumänien, zur Aushöhlung des Arbeitsrechts
und einer Dezentralisierung der Tarifverhandlungen führten, weiter geschwächt. Seit
der EU-Erweiterung sind die Unterschiede bei den Arbeitsbeziehungen zwischen
Westeuropa und diesen Ländern letztlich nicht nur gleichgeblieben, sie haben sich
sogar vergrößert. Dies ist jedoch nicht der einzige Aspekt dieses Buches, das auch
das Konzept des abhängigen Kapitalismus erweitert und u. a. die Auswirkungen des
Europäischen Sozialfonds (ESF) und die Geldüberweisungen von Migranten in diese
Heimatländer untersucht, die zuweilen höher sind als die Mittel von ausländischen
Investoren. >
Labour
and social transformation in Central and Eastern Europe
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