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IR Notes 103 – Erster Versuch, das Ausmaß an Burnout in der EU zu erfassen

  IR Notes 103 – 12 September 2018
www.irshare.eu
 
 
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  Eine Frage an
Agnès Parent-Thirion, Forschungsleiterin der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen

Was ist die wichtigste Botschaft des Berichts über Burnout am Arbeitsplatz, den die Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) veröffentlicht hat (vgl. In den Schlagzeilen)?
Es besteht ein starkes soziales Interesse an der Problematik rund um das Burnout-Syndrom. Dies zeigt sich vor allem an den zahlreichen Artikeln in der Presse, die sich in Europa mit diesem Thema befassen. Daher ist es wichtig, auf die eine oder andere Weise darauf zu reagieren. Aus unserer vergleichenden Untersuchung ergeben sich zwei zentrale Bedürfnisse:  Einerseits die Ergreifung konkreter Maßnahmen und andererseits die Klärung des Begriffes und des Ausmaßes von Burnout (als Krankheit oder als psychologisches Syndrom). Burnout geht über die psychosoziale Gefährdung durch Stress hinaus. Denn neben der Arbeitsbelastung stellt sich hier auch die Fragen nach dem Sinn, dem Management und dem symbolischen Wert der Arbeit. Auf europäischer Ebene haben die Sozialpartner bereits eine Vereinbarung über die Vorbeugung von Stress und den Umgang damit am Arbeitsplatz unterzeichnet. Das ist eine sehr wichtige Grundlage, auf der man arbeiten kann. Wir können auf das Phänomen des Burnouts reagieren, und der Bericht nennt verschiedene Maßnahmen, die auf nationaler Ebene oder seitens der Sozialpartner ergriffen wurden. Fest steht, dass es an der Zeit ist, darauf zu reagieren. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Arbeitsqualität ist daher von großer Aktualität.

 
  Agenda

10.-11. Oktober
Brüssel
Jahrestagung der Europäischen Betriebsräte, ausgerichtet vom Europäischen Gewerkschaftsbund.


12. Oktober
Paris
Internationale Konferenz des französischen Arbeitsministeriums und der ILO zum Thema « Mehr Dialog für bessere Entscheidungen im Unternehmen ».


22. Oktober
Brüssel
Monatsforum des Europäischen Gewerkschaftsinstituts über die neuen Gewerkschaftsstrategien für neue Beschäftigungsformen.

 

IR Notes erscheint alle 14 Tage in mehreren europäischen Sprachen und wird von IR Share und seinem Expertennetzwerk herausgebracht. Dieser Newsletter bietet ein europaweites Monitoring zu Arbeitsrecht, Arbeitsbeziehungen und Beschäftigungspolitik. Er kann für einen Betrag von monatlich 18,00 Euro zzgl. MwSt. auf der IR Share-Website abonniert werden. 
IR Share ist ein unabhängiges und nicht parteigebundenes Privatunternehmen, das alle Akteure des sozialen Dialogs in Europa und darüber hinaus informieren und unterstützen will. IR Share stellt seit 2009 die Frankreich Korrespondenten der Dubliner Stiftung (Eurofound).

 

In den Schlagzeilen
Erster Versuch, das Ausmaß an Burnout in der EU zu erfassen

Eurofound hat am 10. September einen Vergleichsbericht zum Burnout-Syndrom (Zustand einer Erschöpfung aufgrund beruflicher Überforderung) innerhalb der EU veröffentlicht. Nachdem die Wissenschaftler feststellten, dass Burnout ein beliebtes Thema in der Presse ist und immer häufiger zum Gegenstand von Studien auf nationaler Ebene wird, haben sie sich erstmalig mit dem Konzept “Burnout” befasst um herauszufinden, wie verbreitet dieses Syndrom ist, ob es als Berufskrankheit anerkannt ist oder nicht, und nach den Ursachen gesucht. Der Bericht macht deutlich, wie schwierig es ist, dieses Thema in den einzelnen Ländern zu vergleichen. Zunächst legt jedes Land den Begriff, wenn er dort verwendet wird, anders aus. So wird er in manchen Ländern als Störung definiert, in anderen als Krankheit, und in einigen wenigen direkt als Berufskrankheit. Die Häufigkeit des Syndroms variiert ebenfalls je nach der Methode, die den Studien zugrunde liegt: Burnout wird häufiger in den Erhebungen genannt, die sich auf Aussagen von Einzelpersonen beziehen, als in den Umfragen, die mit ärztlichen Diagnosen arbeiten. Es gibt also keine harmonisierten Daten und von daher keine Möglichkeit, die Lage der Europäer in Bezug auf dieses Phänomen zu vergleichen. Hingegen bestätigen die nationalen Studien eine weite Verbreitung dieses Phänomens und dessen Zunahme. Sie untermauern die wichtigsten Ursachen wie die Exposition gegenüber psychosozialen Risiken, verbunden mit einer hohen Arbeitsbelastung, langen Arbeitszeiten und Überstunden. Die Untersuchung beschreibt auch die neuesten Entwicklungen zu den Maßnahmen, die Behörden und Sozialpartner diesbezüglich ergreifen. Der Bericht ist daher eine wertvolle Quelle für politische Entscheidungsträger und auch für die Sozialpartner, die sich mit diesem Thema auf nationaler – oder sogar auf europäischer – Ebene oder auf der Ebene der Branchen oder transnationaler Unternehmen beschäftigen, um dieses Phänomen zu bekämpfen. Das Dokument ermöglicht einen gemeinsamen Ansatz und gibt nützliche Beispiele von Verfahrensweisen, die von nationalen Behörden oder Sozialpartnern eingerichtet wurden.


1. Europäische Union
Aktuelle soziale Themen

Rechtsprechung

Massenentlassungen: Die Richtlinie 92/56 vom 24. Juni 1992 über Massenentlassungen schreibt Arbeitgebern, ihre Beschäftigten zu konsultieren, wenn sie Massenentlassungen planen. Diese Verpflichtung gilt „unabhängig davon, ob die Entscheidung über die Massenentlassungen von dem Arbeitgeber oder von einem den Arbeitgeber beherrschenden Unternehmen getroffen wurde“. Erneut zum Begriff „den Arbeitgeber beherrschende[s] Unternehmen“ befragt, vertrat der Gerichtshof die Ansicht, dass das Beherrschungsverhältnis nicht nur aus Kapitalverflechtungen resultiert, die dem beherrschenden Unternehmen die Mehrheit am Gesellschaftskapital oder eine Stimmenmehrheit sichern (EuGH, 7. August 2018, Rs C‑61/17, C‑62/17 und C‑72/17, Bichat). „Zudem ist davon auszugehen“, fügt der Gerichtshof hinzu, dass unter diesen Begriff „Sachverhalte fallen, in denen ein Unternehmen, auch wenn es die […] Stimmenmehrheit nicht erreicht, einen bestimmenden Einfluss […] ausüben kann, der in den Abstimmungsergebnissen der Gesellschaftsorgane zum Ausdruck kommt, etwa wegen einer breiten Streuung des Gesellschaftskapitals des Arbeitgebers, eines relativ geringen Beteiligungsgrads der Gesellschafter an den Versammlungen oder der Existenz von Verträgen zwischen Gesellschaftern des Arbeitgebers“.


2. Mitgliedstaaten
Frankreich

  • Neue Reform im Bereich Soziales und Beschäftigung: Das vom Parlament am 1. August angenommene Gesetz „zur freien Wahl seiner beruflichen Zukunft” wurde am 7. September veröffentlicht. In diesem wichtigen Gesetzestext geht es um eine grundlegende Reform der Systeme der beruflichen Ausbildung und der dualen Ausbildung. Ferner wird darin eine neue Reform der Arbeitslosenversicherung angekündigt, eine Verpflichtung zur gleichen Bezahlung von Frauen und Männern vorgesehen und der Kampf gegen sexuelle und sexistische Gewalt sowie gegen Entsendebetrug verstärkt.


Großbritannien

Folgen eines Brexits ohne Vereinbarung: Die britische Regierung hat am 23. August einen „Leitfaden“ für den Fall eines No-Deal-Brexits ohne Vereinbarungen mit der EU zur Sozialgesetzgebung veröffentlicht. Während die meisten Gesetze, mit denen europäische Richtlinien umgesetzt werden, beibehalten werden sollen, müssten die gesetzlichen Rahmenbedingungen für europäische Betriebsräte mit der EU in einem Abkommen auf Gegenseitigkeit geregelt werden, wie aus diesen Leitlinien deutlich hervorgeht. Bei einem Brexit ohne Vereinbarung wird die britische Gesetzgebung so geändert, dass 1. Aufforderungen zur Einrichtung von EBRs nicht mehr gemacht werden können; 2. geltende Vorschriften für die Funktionsweise von EBRs in Kraft bleiben und dass 3. Anfragen zur Unterrichtung oder zur Einrichtung eines EBRs, die vor dem Austritt aus der EU gestellt wurden, auch noch nach dem Austrittsdatum bearbeitet werden.


3. Unternehmen
Europäische Betriebsräte

  • Verlängerung der Vereinbarung: Die Unternehmensleitung des Solvay-Konzerns (12.000 Beschäftigte in der EU) und die Mitglieder des Euro-Betriebsrats haben am 20. Juni ein Abkommen zur Erneuerung der EBR-Vereinbarung unterzeichnet, mit der die Funktionsweise dieses Organs ausgebaut und die Zusammensetzung angepasst wird. Zweimal jährlich wird das Sekretariat um vier weitere EBR-Mitglieder erweitert und befasst sich „mit einer besonderen Tagesordnung, die verschiedene Themen [abdeckt] wie (…) nachhaltige Entwicklung, Hygiene, Sicherheit, Umwelt und Digitalisierung“.


Transnationaler sozialer Dialog

  • Abkommen über eine globale Instanz: Am 7. Juni wurde zum „Solvay Global Forum“ (SGF), das 2015 im Solvay-Konzern informell gegründet wurde, eine Vereinbarung unterzeichnet. Diese Instanz vertritt die 30.000 Beschäftigten des Konzerns und „setzt sich aus acht Gewerkschaftsvertretern zusammen: vier Mitglieder des EBR-Sekretariats und vier Mitglieder aus USA, Brasilien, China und Korea.“ Der internationale Gewerkschaftsverband IndustriAll wird aufgefordert, das Ernennungsverfahren durch Konsultierung seiner Mitgliedsgewerkschaften zu unterstützen. Das SGF kann kollektive Vereinbarungen zu länderübergreifenden Themen unterzeichnen.


Transnationale Vereinbarungen

Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz: Die Unternehmensleitung von DS Smith, einem führenden europäischen Anbieter von Verpackungen (27.000 Beschäftigte in 37 Ländern) unterzeichnete am 10. Juli zusammen mit seinem EBR eine Vereinbarung über die Gefährdung der Arbeitnehmer durch „Hitze-Stress“. Die Vereinbarung zielt darauf ab, zu „einem gemeinsamen Verständnis“ über Probleme im Zusammenhang mit Hitze-Stress zu gelangen. Empfohlen wird die Evaluierung der Risiken an allen Standorten, „um die Risiken für die Gesundheit zu berücksichtigen, die durch das Arbeitsumfeld entstehen, durch Prüfung der Arbeitsvorgänge, bei denen es zu einer Belastung durch Hitze und (ggf.) durch Kälte kommt“. Nach der Evaluierung sind die Standorte verpflichtet, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Gefahr schwerwiegender Schäden zu reduzieren, zu mildern oder zu beseitigen.



  • Soziale Grundrechte: Der Hersteller von Bekleidung und Modeartikeln Esprit und der internationale Gewerkschaftsverband IndustriAll Global Union unterzeichneten am 30. April eine internationale Rahmenvereinbarung über soziale Grundrechte für die Lieferkette von Esprit. Diese Vereinbarung gilt für 525.000 Beschäftigte, die in 27 Ländern für 1.100 Zulieferer arbeiten (vgl. Pressemitteilung).
    > In Kürze: Die französische Bank BNP Paribas wird am 18. September eine weltweite Rahmenvereinbarung offiziell unterzeichnen.

 

IR Notes

Eine Einführung

IR Notes ist ein unabhängiger, zuverlässiger und ausgewogener Informationsdienst zu Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in Europa.

Dieser Newsletter erscheint in 6 Sprachen, ist im Abonnement erhältlich und bietet Ihnen Zugang zu prägnanten, zielgerichteten und praxisnahen Informationen zu den wichtigsten Themen des sozialen Europas und des transnationalen sozialen Dialogs.

Gemeinsam mit unseren Experten und nationalen Korrespondenten verfolgen wir einen dynamischen, praktischen und nützlichen Ansatz für das europäische Sozialmonitoring.

Dadurch wählen wir die relevantesten Themen aus, die als Quelle für fachübergreifende und inspirierende Ideen dienen.

Jede Ausgabe enthält:

  • Eine Interview mit einer Expertin oder einem Experten aus dem Bereich der Arbeitsbeziehungen, die/der eine ganz eigene Perspektive auf aktuelle soziale Fragen, Vereinbarungen oder Best-Practice-Beispiele einbringt.
  • Aktuelle Informationen über Entwicklungen in der EU-Gesetzgebung und der Rechtsprechung.
  • Monitoring der arbeitsrechtlichen Entwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten.
  • Berichte über die neuesten Entwicklungen bei den Europäischen Betriebsräten und den SE-Betriebsräten.
  • Schließlich hält IR Notes Sie über die wichtigsten Studien und Forschungsarbeiten aus der Arbeitswelt auf dem Laufenden.

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