IR Notes

Gemeinsam am Aufbau eines sozialen Europas arbeiten

Eine unabhängige, zuverlässige und unparteiische Informationsquelle zu Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in Europa.

IR Notes 212 – Besserer Schutz für Beschäftigte gegen Gefährdung durch Asbest

  IR Notes 212 – 12 Juli 2023
www.irshare.eu
 
 
  Sommerpause
Liebe Leserinnen und Leser,

IR Notes geht in die Sommerpause! Die nächste Ausgabe erscheint am 7. September. Doch bis dahin müssen Sie nicht ganz auf Informationen verzichten: Wir werden die Seite von IR Notes auf LinkedIn bis Ende Juli aktualisieren und dann wieder ab September. Sie können uns auch auf Twitter folgen @IR_Share.Im Namen der ganzen Redaktion und unserer nationalen Experten wünsche ich Ihnen allen eine schöne und erholsame Sommerzeit!


Mit herzlichen Grüßen


Frédéric Turlan
Direktor von IR Share

 
  Eine Frage an …
María Rodríguez Alcázar, President of the European Youth Forum

Die Europäische Kommission hat am 11. Juli die erste Phase der Konsultation der europäischen Sozialpartner „zu einer möglichen Maßnahme zur Verbesserung der Qualität von Praktika“ gestartet. Was ist Ihre wichtigste Botschaft an die Sozialpartner als Präsidentin des Europäischen Jugendforums, der Plattform, die über 100 Jugendorganisationen in ganz Europa vereint?
Bereits in den vergangenen Jahren haben wir mit den Sozialpartnern zusammengearbeitet, um sie für unsere Forderungen zu sensibilisieren. Wir hoffen, dass sie im Rahmen dieser Konsultation die Vorschläge des Europäischen Parlaments unterstützen werden, vor allem die Annahme einer Richtlinie zur Regelung von Praktika auf dem Arbeitsmarkt, d. h. von Praktika, die außerhalb eines Lehrplans durchgeführt werden. Wir fordern, dass Praktikanten den Mindestlohn erhalten und wie andere Beschäftigte in den Genuss sozialer Rechte kommen. Das ist eine starke Forderung, und wir haben die Unterstützung von mehr als 8.500 Personen, die unsere Petition unterschrieben haben, sowie von EU-Kommissar Nicolas Schmit. Er hat uns letzte Woche in einem Interview seine Unterstützung bekräftigt. Er wiederholte, dass Praktika auf dem Arbeitsmarkt bezahlt werden müssten und Praktikanten keine Beschäftigten ersetzen dürften.


> Weitere Informationen hierzu: Konsultationspapier und Pressemitteilung der Kommission, Bericht des Parlaments, in dem eine Richtlinie zum Schutz von Praktikanten befürwortet wird sowie der Bericht des Europäischen Jugendforums über die Kosten unbezahlter Praktika.

 
  Agenda


13. und 14. Juli
Madrid

Informelles Treffen der Minister für Beschäftigung und Sozialpolitik


21. und 22. September
Santiago de Compostela

Hochrangige Tagung über die Zukunft der Arbeit und des sozialen Dialogs – ausgerichtet von der spanischen EU-Ratspräsidentschaft


26. und 27. September
Toledo

Konferenz über Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, organisiert von der spanischen EU-Ratspräsidentschaft


9. Oktober
Luxembourg
Tagung des Rats für „Beschäftigung und Sozialpolitik“


19. und 20. Oktober
Barcelona

Veranstaltung zu aktiven Arbeitsmarktpolitiken und Kompetenzen, ausgerichtet von der spanischen EU-Ratspräsidentschaft


13. und 14. November
San Sebastian
Kongress zur Sozialwirtschaft
im Rahmen der spanischen EU-Ratspräsidentschaft


27. und 28. November
Brüssel
Tagung des Rats für „Beschäftigung und Sozialpolitik“

 
  Über uns

 


IR Notes erscheint alle 14 Tage in mehreren europäischen Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch) wird von IR Share und seinem Expertennetzwerk herausgebracht. Dieser Newsletter bietet ein europaweites Monitoring zu Arbeitsrecht, Arbeitsbeziehungen und Beschäftigungspolitik. Er kann für einen Betrag von jährlich 248,00 Euro zzgl. MwSt. auf der IR Share-Website abonniert werden


Das Team: Diese Ausgabe wurde erstellt bei Pascale Turlan und Frédéric Turlan.Pascale Turlan und Frédéric Turlan.
Erfahren Sie mehr über das 
IR Share-Team auf unserer Website.


Abonnieren Sie IR Notes Mit wenigen Klicks auf der IR Share-Website oder per Telefon unter: 
+33 (0)6 81 41 53 95


Impressum. Herausgeber: IR Share SARL – 5, Les Compères – 89520 Fontenoy – Frankreich – Tel.: +33 (0)6 81 41 53 95 –  Stammkapital 1.500 Euro – Handelsregister-Nr. (RCS Auxerre): 512 567 959. Verantwortlicher für die Veröffentlichung: Frédéric Turlan. Hosting: ALTEO – Damien Cornillet – Château – 89500 Villeneuve-sur-Yonne1. CPPAP Nr.: 0621 Z 93933.

 
  Europäisches Wörterbuch der Arbeitsbeziehungen

Wenn Sie die Inhalte von IR Notes vertiefen wollen, stellen wir Ihnen gerne die Links zum Europäischen Wörterbuch der Arbeitsbeziehungen zur Verfügung, das von Eurofound veröffentlicht und regelmäßig von IR Share, dem Herausgeber von IR Notes, aktualisiert wird. Das Wörterbuch ist auf English, doch die Definitionen der Begriffe lassen sich mit Online-Übersetzungstools leicht übersetzen.

 

IR Share ist ein unabhängiges und nicht parteigebundenes Privatunternehmen, das alle Akteure des sozialen Dialogs in Europa und darüber hinaus informieren und unterstützen will. IR Share stellt seit 2009 die Frankreich Korrespondenten der Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen.

 

In den Schlagzeilen
Besserer Schutz für Beschäftigte gegen Gefährdung durch Asbest

Der Rat und das Europäische Parlament erzielten am 27. Juni eine vorläufige Einigung über eine neue Richtlinie zur Stärkung des Schutzes der Beschäftigten gegen Gefährdung durch Asbest (s. Pressemitteilung). Der Kompromiss wird derzeit überarbeitet, um dann von den beiden Organen förmlich angenommen zu nehmen. Danach wird die Richtlinie veröffentlicht, und die Mitgliedstaaten haben zwei Jahre Zeit, sie umzusetzen (s. Mitteilung. Die Europäische Kommission hatte den Richtlinienentwurf am 28. September 2022 vorgelegt, zusammen mit einer Mitteilung „über den Weg hin zu einer asbestfreien Zukunft“ (s. IR Notes 193 und Asbestos). Die neuen Vorschriften sehen zunächst eine Senkung des Expositionshöchstwerts auf 0,01 Asbestfasern pro cm³ vor – dies ist zehnmal niedriger als der jetzige Wert von 0,1 f/cm³. Das Parlament hat sich mit seiner Forderung nach einer Senkung auf 0,001 f/cm³ (s. IR Notes 172) nicht durchsetzen können. Den Abgeordneten wurden dennoch Zugeständnisse eingeräumt. So legt der Text eine Übergangszeit von höchstens sechs Jahren fest, innerhalb derer die Mitgliedstaaten eine neue Methode zur Messung von Asbest einführen müssen: Die Elektronenmikroskopie, die sensibler misst als die derzeitig verwendete Technik. So haben die Mitgliedstaaten nach der Einführung dieser Methode zwei Optionen: Sie messen dünne Asbestfasern – in diesem Fall bleibt der Expositionshöchstwert bei 0,01 f/cm3 oder sie messen sie nicht – in diesem Fall wird der Expositionshöchstwert auf 0,002 f/cm3 verringert. Die Gewerkschaften reagierten positiv auf diesen Kompromiss, der 4-7 Millionen Beschäftigte in der EU vor dieser Substanz schützt, die jedes Jahr 90.000 Todesfälle verursacht, wie der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hervorhebt (s. Pressemitteilung). Die Verabschiedung dieser Vorschriften drängte, da die Zahl der Beschäftigten, die durch Asbest gefährdet sind, in den kommenden Jahren durch die Zunahme der im europäischen Green Deal vorgesehenen Wärmedämmungsmaßnahmen rapide steigen wird. Der EGB bedauert, dass die neuen Normen aufgrund der Übergangszeit zu spät kommen, um die Beschäftigten zu schützen, die an der Renovierung von Gebäuden beteiligt sind. Der Kompromiss geht teilweise auch auf die Forderungen der Arbeitgeberverbände ein, die sich für eine Übergangszeit von sieben Jahren ausgesprochen hatten (s. Mitteilung von FIEC und EBC). Nichts hält die Mitgliedstaaten davon ab, den Schutz zu verbessern und schneller zu handeln. Dänemark hat den Höchstwert bereits auf 0,003 f/cm3 festgelegt und nimmt andere Verpflichtungen der Richtlinie vorweg: Ab dem 1. Juli kann die für die Arbeitsumgebung zuständige Behörde Unternehmen mit Bußgeldern in Höhe von 10.000 Kronen (1.342 Euros) belegen, die ihre Asbestarbeiten nicht anmelden (s. Pressemitteilung), während am 1. Januar 2025 ein Genehmigungsverfahren für Unternehmen eingeführt wird, die mit Asbest arbeiten (s. Mitteilung des Gewerkschaftsverbands FH).


1. Europäische Union
Aktuelle soziale Themen

Soziale und solidarische Wirtschaft : Die Europäische Kommission legte am 13. Juni einen Vorschlag vor für eine Empfehlung des Rates zur Schaffung von Rahmenbedingungen für die Sozialwirtschaft, in dem erstmalig der Mehrwert der Einrichtungen anerkannt wird, „für die der Mensch sowie soziale und ökologische Fragen Vorrang vor dem Profit haben“ und 13,6 Millionen Menschen in der EU beschäftigt (s. Pressemitteilung). Wenn der Vorschlag vom Rat angenommen ist – eine Priorität der spanischen EU-Ratspräsidentschaft – sind die Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre Strategien für die Sozialwirtschaft innerhalb von 18 Monaten anzunehmen oder zu aktualisieren. Dies dürfte auch zur Annahme von sozial verantwortlichen Lösungen und Innovationen im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe führen.


Sektoraler sozialer Dialog

Neuer Ausschuss für den sektoralen sozialen Dialog : Die Europäische Kommission hat am 10. Juli offiziell die Einrichtung des 44. Ausschusses für den sektoralen sozialen Dialog angekündigt, und zwar den für den Sektor der sozialen Dienstleistungen (s. Pressemitteilung). Damit wird zum ersten Mal seit 2010 ein neuer Ausschuss eingerichtet. Er besiegelt den Abschluss eines langen Prozesses des europäischen sozialen Dialogs, den die Sozialpartner vor rund zehn Jahren einleiteten (FESE und EGÖD) (s. Mitteilung) von FESE. Sie hatten die Einrichtung am 26. April 2021 offiziell beantragt (s. IR Notes 163). Nach einem Bericht, den IR Share für die Sozialpartner erstellte, waren 2018 in diesem Sektor 4,7 % aller Arbeitskräfte der EU beschäftigt. Der neue Ausschuss wird sich in erster Linie mit den Themen Arbeitskräftemangel, Aus- und Weiterbildung sowie Arbeitsbedingungen befassen. Für Sylvain Renouvel, FESE-Direktor und stellvertretender Direktor für europäische Angelegenheiten bei Nexem, besteht der größte Nutzen des Ausschusses darin, in Zukunft in diesem Sektor europäische Vereinbarungen schließen zu können.


2. Mitgliedstaaten
Deutschland

Verhandlungen für einen gerechten Übergang : IG Metall hat eine lange Tradition bei der Aushandlung von Betriebsvereinbarungen zur Erhaltung von Arbeitsplätzen und Industriestandorten in Deutschland, bei der sich das Unternehmen verpflichtet, über einen bestimmten Zeitrum keine Massenentlassungen durchzuführen. Das ist auch der Fall bei Bosch Mobility, dem Automobilbereich von Bosch, wo Unternehmensleitung und Gewerkschaft einen neuen Tarifvertrag unterzeichnet haben, in dem betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2027 ausgeschlossen sind. 80.000 Beschäftigte genießen diesen Schutz. Neu ist, dass laut Vereinbarung die Betriebsräte „nun auch frühzeitig in strategische und wirtschaftliche Planungen eingebunden“ werden, „zum Beispiel hinsichtlich der Ansiedlung von Zukunftsprodukten“, erklärt Frank Sell, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats des Unternehmensbereichs Mobility (s. Mitteilung).


Spanien

  • Beschäftigung und Behinderung : Das Arbeitsministerium hat zusammen mit mehreren Interessenträgern ein „Weißbuch über Beschäftigung und Behinderung“ vorgestellt, um eine Änderung des Rechtsrahmens und der politischen Maßnahmen für die Beschäftigung und das Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderungen vorzubereiten (s. Mitteilung).

Frankreich

Schutz von Arbeitnehmerinnen bei Fehlgeburt: : Gesetz Nr. 2023-567 vom 7. Juli 2023 zur Förderung einer psychologischen Betreuung von Frauen, die eine Fehlgeburt hatten streicht für Arbeitnehmerinnen, die eine Fehlgeburt erleiden, die dreitägige „Karenzzeit“, in der krankgeschriebene Beschäftigte keine Leistungen von der Sozialversicherung erhalten. Diese Maßnahme tritt spätestens am 1. Januar 2024 in Kraft. Seit dem 9. Juli darf ein Arbeitgeber „den Arbeitsvertrag einer Beschäftigten in den 10 Wochen nach einer medizinisch festgestellten Fehlgeburt nicht kündigen, die zwischen der 14. und 21. Schwangerschaftswoche eingetreten ist“.


Italien

3. Unternehmen
Europäische Betriebsräte

Vereinbarung geändert : Der Energiekonzern Engie hat seine EBR-Vereinbarung nach dem Verkauf seiner Tochter Equans an Bouygues (v. IR Notes 185) geändert. In der neuen Vereinbarung werden die Mittel des EBR zum größten Teil beibehalten, auch wenn 74.000 Beschäftigte aus dem Geltungsbereich ausgeschieden sind. Aufgrund von neuen Regeln für den Schwellenwert der Beschäftigtenzahl, die für ein besseres Gleichgewicht zwischen den französischen Vertretern und denen anderer europäischer Länder sorgen, ist die Zahl der Mitglieder von 27 auf 31 gestiegen. Ferner werden zwei der vier ständigen Arbeitsgruppen aufrechterhalten (Social Reporting / Sorgfaltspflicht und Gesundheit-Sicherheit am Arbeitsplatz), ebenso wie die Möglichkeit, „Studienarbeitsgruppen“ zu bestimmten Themen einzurichten, wobei deren Teilnehmerzahl auf zehn begrenzt ist. Insgesamt sind sechs Sitzungen geplant, die zwischen den Ständigen Arbeitsgruppen und den Studien-Arbeitsgruppen aufgeteilt sind. Zusätzlich erhalten alle Arbeitsgruppen ein Volumen von 12 Stunden für einen Online-Austausch, die in Abschnitten von 2 Stunden genutzt werden können, „um die Verbindung und die Dynamik zwischen den Präsenzsitzungen der Arbeitsgruppen aufrechtzuerhalten“, sagt EBR-Vorsitzender Robert Textoris (CGT). Als weiteres Novum wird das Gremium künftig auch zur Politik der sozialen und ökologischen Verantwortung des Konzerns angehört, darunter auch zum „Klimakurs“ und zur „Energiewende“.  Das Unterrichtungs- und Anhörungsverfahren orientiert sich an den Bedingungen der Richtlinie 2009/38 (der die Vereinbarung nicht unterliegt). Das Anhörungsverfahren ist zeitlich nicht festgelegt. Der zeitliche Rahmen wird zwischen Unternehmensleitung und Präsidium besprochen „im Hinblick auf die Bedeutung der Angelegenheit, die erforderliche Zeit, um den entsprechenden Austausch und Dialog angemessen zu ermöglichen sowie den geplanten Zeitpunkt der Umsetzung“.



Gerechter Übergang : Dekarbonisierung und gerechter Übergang sind immer öfter Themen, mit denen sich EBR beschäftigen. Der EBR von Engie hat am 14. Juni beschlossen, eine Studie in Auftrag zu geben, um mögliche Auswirkungen aller Transformationen im Zusammenhang mit der „Dekarbonisierungsstrategie der Konzernaktivitäten“ auf die Beschäftigung zu ermitteln, „unter Berücksichtigung der Orientierung des Konzerns, die darauf abzielt, die Treibhausgasemissionen bis 2045 auf Null zu reduzieren“, bei „hohen Zwischenzielen bis 2030“, aber auch entsprechend der Orientierungen der einzelnen Mitgliedstaaten zur Einhaltung des ihnen zugeteilten „C02-Budgets“ (s. Mitteilung). Die Rolle „der Arbeitnehmervertreter des EBR ist entscheidend, um die sozialen Auswirkungen vorwegzunehmen und nicht unter der Dekarbonisierungsstrategie der Konzernaktivitäten in den einzelnen Mitgliedstaaten zu leiden“, so der EBR.



Neuer EBR : Das Technologieunternehmen Sopra Steria (50.000 Beschäftigte, davon 12.500 in Europa) hat eine EBR-Vereinbarung abgeschlossen, die am 26. Juni veröffentlicht wurde. Der EBR wird zu länderübergreifenden Vorhaben angehört, die entweder den gesamten Konzern betreffen oder von einer Entscheidung der Unternehmensleitung abhängen, die zwei Unternehmen in zwei verschiedenen Ländern betreffen und „sich in hohem Maße auf die Beschäftigten auswirken“, d. h. 50 % des Personals müssen mit der Kündigung ihres Arbeitsvertrags rechnen. Zu einem solchen Vorhaben muss der EBR nach Erhalt der Informationen durch die Unternehmensleitung innerhalb eines Monats eine Stellungnahme abgeben. Bei Hinzuziehung eines Sachverständigen verlängert sich diese Frist auf zwei Monate. Der EBR hat zwei Plenarsitzungen im Jahr, eine davon online.

>
Siehe auch:
Die erneuerte EBR-Vereinbarung von Bausch&Lomb sowie die SE-BR-Vereinbarung von TeamViewer, und von JOSTE Werke sind jetzt online.


Weltbetriebsrat

Geplante Fusion und Sorgfaltspflicht : 21 Delegierte aus 14 Ländern trafen sich zu einer ersten Tagung des Europäischen bzw. Weltbetriebsrats (EBR/WBR) des Konzerns Daimler Truck (s. IR Notes 198), um sich mit mehreren Mitgliedern des Vorstands auszutauschen (s. Pressemitteilung). Dabei ging es vor allem um eine mögliche Fusion von Mitsubishi Fuso mit dem japanischen Konkurrenten Hino sowie um Menschen- und Gewerkschaftsrechte in der Lieferkette in Übereinstimmung mit der 2022 verabschiedeten Grundsatzerklärung zu sozialer Verantwortung und Menschenrechten.


Umstrukturierung

Begleitung des ökologischen Wandels : Der Konzern TotalEnergies hat im März den Verkauf seines Tankstellennetzes in Deutschland und den Niederlanden angekündigt. Die Tankstellen gehen an den führenden kanadischen Betreiber von Geschäften für Produkte des täglichen Bedarfs Alimentation Couche-Tard (120.000 Beschäftigte), der auch rund 60 % der Anteile an den Tankstellen in Belgien und Luxemburg übernehmen wird (s. Pressemitteilung).  Insgesamt sind von dieser Maßnahme mehr als 3.000 Beschäftigte von TotalEnergies betroffen. „Diese Ankündigung hat ein bis dahin geltendes Konzept des integrierten Unternehmens infrage gestellt, eines Konzerns, der alles „vom Bohrloch bis zur Pumpe“ abdeckte“, sagt Thierry Defresne (CGT), EBR-Vorsitzender bei TotalEnergies. Der EBR wies darauf hin, dass mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, insbesondere bei den zusätzlichen Dienstleistungen, mit erzwungener Mobilität sowie Änderungen von Tarifverträgen zu Ungunsten der übernommenen Beschäftigten gerechnet werden muss. Zum Schutz der Beschäftigten forderten die EBR-Mitglieder, die Sicherung der Arbeitsplätze von einem Jahr, wie von Couche-Tard im Rahmen des Verkaufs vorgeschlagen, auf fünf Jahre zu verlängern – was die Unternehmensleitung von TotalEnergie ablehnte. Die Arbeitnehmervertreter wollten auch Verhandlungen über die Bedingungen zur sozialen Begleitung der Beschäftigten aus den vier Ländern. Auf einer Sitzung am 19. Juni unterstrich der europäische Gewerkschaftsverband IndustriAll Europe diese Forderungen mit einem Schreiben an die Unternehmensleitung, worin er sie zu einem Dialog über die sozialen Begleitmaßnahmen dieses Vorhabens sowie über die künftigen Veränderungen innerhalb des Konzerns in Verbindung mit dem ökologischen Wandel auffordert. Diese Forderung könnte zu Verhandlungen für eine europäische Vereinbarung über die Antizipation und Bewältigung des Wandels führen, die als Vorlage für alle künftigen Umstrukturierungen zur Einhaltung der Dekarbonisierungsziele dienen würde.


Länderübergreifende Verhandlungen

Internationalisierung des sozialen Dialogs : Der Bergbaukonzern Eramet (9.090 Beschäftigte) hat ein „Globales Forum“ eingerichtet, um länderübergreifende Fragen zu behandeln, die die wichtigsten Länder betrifft, in denen die Gruppe tätig ist: Frankreich, einschließlich Neukaledonien, Gabun, Norwegen, Senegal und Argentinien. In diesem Forum werden sich die Arbeitnehmervertreter „untereinander und mit der Konzernleitung über Eramets Strategie, die SVU-Verpflichtungen oder auch die Entwicklungsprojekte des Konzerns austauschen“. Sie können außerdem Vereinbarungen aushandeln, die für alle Beschäftigten gelten und Themen wie Sozialschutz, Qualität des Arbeitslebens, Elternschaft, Diversität oder Inklusion betreffen  (s. Pressemitteilung). Dieses Gremium umfasst jetzt auch den EBR, „der die rechtliche Zuständigkeit für die Unterrichtung und Anhörung beibehält“.  Aufgrund eines zurückgehenden Personalbestands in Europa (1.629 Beschäftigte 2022, davon 755 in Frankreich) drohte der EBR ganz aufgelöst zu werden. Das GFE wurde durch eine Vereinbarung eingerichtet. Diese hatten die Unternehmensleitung und die im Konzern vertretenen Gewerkschaften am 5. Juli unterzeichnet (der Text wird nach Zustimmung der Unternehmensleitung online gestellt). Das Forum tagt zweimal jährlich, kann Arbeitsgruppen einrichten, einmal im Jahr ein Land besuchen und verfügt über ein Budget von 30.000 Euro. Bis auf die Schulung zu Beginn des Mandats werden alle anderen (4 Tage während eines vierjährigen Mandats) per Videokonferenz abgehalten.



Sorgfaltspflicht und neue Garantien : Die französische Bank Société Générale (117.000 Beschäftigte) und der internationale Gewerkschaftsverband UNI Gobal Union haben am 27. Juni eine neue globale Vereinbarung über die Rechte ihrer Beschäftigten unterzeichnet (s. gemeinsame Pressemitteilung). Diese Vereinbarung ist eine der wenigen, die bei der Erstellung des Wachsamkeitsplans den Gewerkschaften einen Platz einräumen. Dieser Plan, der seit 2017 in Frankreich gesetzlich vorgeschrieben ist, soll Risiken ermitteln und schwerwiegende Verstöße gegen Menschenrechte und Grundfreiheiten, Gesundheit und Sicherheit von Menschen und Umwelt verhindern. Mit der EU-Richtlinie zur Sorgfaltspflicht, die sich in der Annahmephase befindet, wird dieser Ansatz EU-weit vorgeschrieben. Die Vertragsparteien erkennen UNI im Wachsamkeitsplan als „Interessenträger“ im Abschnitt über Humanressourcen an.  Es wird „mit UNI mindestens eine Abstimmung im Rahmen der umgesetzten Maßnahmen geben“, um die Risiken schwerer Verstöße gegen „Menschenrechte, Grundfreiheiten oder die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten“ zu erkennen und zu verhindern. In der Praxis bedeutet dies, dass UNI den Entwurf des Wachsamkeitsplans in Bezug auf den HR-Abschnitt „vor dem Leitungsorgan des Konzerns“ prüft. Die von UNI vorgeschlagenen Ergänzungen können dann in der Version berücksichtigt werden, die den Mitgliedern der Unternehmungsleitung vorgelegt wird. Die Vertragsparteien vereinbaren auch, Arbeitsgruppen einzurichten, um „die Analyse der Restrisiken und deren Minderung zu vertiefen“.  Die Vereinbarung legt eine neue Basis für soziale Mindestgarantien für die Beschäftigten fest: 14 Wochen Mutterschaftsurlaub, eine Woche Vaterschaftsurlaub bei voller Zahlung des Festlohns sowie ein Sterbegeld in Höhe von mindestens zwei Jahresfestlöhnen, das die örtlichen Beihilfen abdeckt oder ergänzt.  „Diese Garantien sind vor allem für die 11.200 Beschäftigten in Indien wichtig, das Land, das nach Frankreich die meisten Arbeitskräfte stellt“, sagt Frédéric de Fondaumière, Mitglied des engeren EBR-Ausschusses und Verhandlungsführer der Vereinbarung für UNI Global Union.


> Siehe auch: Der Konzern Veolia hat am 29. Juni Verhandlungen mit dem Europäischen Gewerkschaftsverband für den öffentlichen Dienst (EGÖD) eingeleitet, um seine erste europäische Vereinbarung zu Diversität und Inklusion (v. Mitteilung) abzuschließen.

 


Désabonnement

IR Notes

Eine Einführung

IR Notes ist ein unabhängiger, zuverlässiger und ausgewogener Informationsdienst zu Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in Europa.

Dieser Newsletter erscheint in 6 Sprachen, ist im Abonnement erhältlich und bietet Ihnen Zugang zu prägnanten, zielgerichteten und praxisnahen Informationen zu den wichtigsten Themen des sozialen Europas und des transnationalen sozialen Dialogs.

Gemeinsam mit unseren Experten und nationalen Korrespondenten verfolgen wir einen dynamischen, praktischen und nützlichen Ansatz für das europäische Sozialmonitoring.

Dadurch wählen wir die relevantesten Themen aus, die als Quelle für fachübergreifende und inspirierende Ideen dienen.

Jede Ausgabe enthält:

  • Eine Interview mit einer Expertin oder einem Experten aus dem Bereich der Arbeitsbeziehungen, die/der eine ganz eigene Perspektive auf aktuelle soziale Fragen, Vereinbarungen oder Best-Practice-Beispiele einbringt.
  • Aktuelle Informationen über Entwicklungen in der EU-Gesetzgebung und der Rechtsprechung.
  • Monitoring der arbeitsrechtlichen Entwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten.
  • Berichte über die neuesten Entwicklungen bei den Europäischen Betriebsräten und den SE-Betriebsräten.
  • Schließlich hält IR Notes Sie über die wichtigsten Studien und Forschungsarbeiten aus der Arbeitswelt auf dem Laufenden.

IR Notes
Gemeinsam ein soziales Europa aufbauen

Der IR Notes-Newsletter bietet jedem in Europa Zugang zu einer unabhängigen, zuverlässigen und unparteiischen Informationsquelle zu Themen rund um die Arbeitsbeziehungen

Three questions for Delphine Rudelli

Three questions for Delphine Rudelli

Three questions for Delphine Rudelli, Director General of CEEMET (*) On the delays in transposing the ‘pay transparency’ directive “We are calling for the application of the directive to be suspended while we assess what can be simplified – not to reduce rights, but...

read more...
European Union – Social update

European Union – Social update

European Works Councils The Expert Group set up by the European Commission to help Member States transpose the new Directive (EU) 2025/2450 on European Works Councils is due to submit its report this summer. This report may constitute a useful point of reference when...

read more...
A step in coordination of national social security systems

A step in coordination of national social security systems

At last, a step forward for freedom of movement for workers in the EU On 22 April, representatives of the Council and Parliament reached a provisional agreement on revising the rules on coordination of national social security systems, as provided for by regulation...

read more...
Picture of Nora Krokovay

A question for… Nora Krokovay

A question for…Nora Krokovay, Senior Analyst at Kopint-Tárki What changes can we expect in terms of social dialogue and labour law in Hungary following the elections that brought an end to Viktor Orbán’s 16-year leadership? The atmosphere was very euphoric and joyful...

read more...
Improvements in job quality

Improvements in job quality

Eurofound notes improvements in job quality in Europe Now that the European Commission has announced its intention to present a bill on job quality by the year end, the results of the latest European Working Conditions Survey (EWCS) will be scrutinised very...

read more...
Is pay transparency the new enemy to be targeted?

Is pay transparency the new enemy to be targeted?

After seeing off the corporate sustainability reporting and due diligence directives, Member States appear ready to tackle the pay transparency directive, which is due to be transposed in Member States by 7 June 2026.Not only are many countries behind schedule, but a...

read more...
A question to… Lidia Gil Otero

A question to… Lidia Gil Otero

A question for…Lidia Gil Otero, PhD Assistant Professor in Labour and Social Security Law at Santiago de Compostela University In the context of the Digilare project (*), you advocate using the transposition of the Platform Work Directive, which is due to be completed...

read more...