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IR Notes 107 – Die Projekte der Kommission für 2019

  IR Notes 107 – 7 November 2018
www.irshare.eu
 
 
  Eine Frage an …
Peter Scherrer, stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes

Werden Sie am Entwurf des Handbuchs über Europäische Betriebsräte (EBR) mitwirken, das die derzeitige Europäische Kommission im kommenden Frühjahr veröffentlichen soll? Und was sind Ihre Erwartungen an die nächste Kommission (nach den Europawahlen) in Bezug auf die Entwicklung von EBRs?
Derzeit beobachten wir, was die Kommission für dieses Handbuch vorbereitet. Wir haben unsere eigenen Handbücher für EBRs, die auf unserer langjährigen Erfahrung basieren. Bücher können eine fehlende progressive und moderne Rechtsprechung nicht ersetzen. Für den EGB ist die Überarbeitung der Richtlinie mehr als offensichtlich und überfällig. Erst die Hälfte der Unternehmen, die für einen EGB in Frage kommen, haben eine solche Instanz, und nach wie vor sind die Rechte von EBR-Mitgliedern und Gewerkschaftsvertretern unzureichend. Beispiele: EBR-Mitglieder müssten Zutritt zu Unternehmenswerken haben, es müsste wirksame Sanktionen für Verstöße gegen die Richtlinie geben (insbesondere in Bezug auf die Unterrichtungs- und Anhörungsrechte), und wir bräuchten klare Regeln für Besondere Verhandlungsgremien.

 
  Agenda

 


12. November
Prag
Die Denkfabrik des CERGE-EI organisiert eine Konferenz zur Zukunft der Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Bildungssysteme.



22. November
Brüssel

Das Europäische Gewerkschaftsinstitut organisiert eine Mittagsveranstaltung, um die Ergebnisse des Projekts vorzustellen: „Teilnahme von Gewerkschaften stärken, um hochwertige Berufsübergänge und die Beschäftigung junger Menschen in Europa zu gewährleisten“.


29. November
Brüssel
Die Katholische Universität von Löwen organisiert eine Konferenz mit dem Thema “Arbeitnehmerentsendung und Europarecht: Möglichkeiten des Sozial- und des Steuerrechts“.


29.-30. November
Berlin
IG Metall EBR/SE-BR-Forum.



29.-30. November
Bordeaux
Comptrasec organisiert Europäische Studientage zur Wirtschaft der Plattformen: „Arbeit, Beschäftigung und Organisationen – juristische Möglichkeiten und vergleichende Ansätze“ mit einem Seminar über nationale und europäische Rechtsprechung zu den neuen Beschäftigungsformen.


4.-5. Dezember
Brüssel
Das Europäische Gewerkschaftsinstitut organisiert eine Konferenz über das Krebsrisiko, dem Frauen am Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Mit Veranstaltungen zur Prävention, Erhaltung des Arbeitsplatzes und Rückkehr in die Beschäftigung sowie zur Erkennung von berufsbedingten Krebserkrankungen.


11. Dezember
Paris
Astrees und IR Share organisieren eine Fortbildung mit dem Thema „Sein erstes Vertretungsmandat im Euro-Betriebsrat erfolgreich ausüben“ (auf Französisch).
Tél. : + 33 (0)6 81 41 53 95.


13. Dezember
Paris
Veranstaltung des Clubs Europäischer Betriebsräte zur Geschäftsgeheimnis-Richtlinie, ausgerichtet von Astrees und IR Share. 
Tel.: + 33 (0)6 81 41 53 95.

 
  Über uns

 


IR Notes erscheint alle 14 Tage in mehreren europäischen Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spaniasch) wird von IR Share und seinem Expertennetzwerk herausgebracht. Dieser Newsletter bietet ein europaweites Monitoring zu Arbeitsrecht, Arbeitsbeziehungen und Beschäftigungspolitik. Er kann für einen Betrag von monatlich 18,00 Euro zzgl. MwSt. auf der IR Share-Website abonniert werden


Das Team: Diese Ausgabe wurde erstellt bei Jan Czarzasty und Frédéric Turlan.
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IR Share ist ein unabhängiges und nicht parteigebundenes Privatunternehmen, das alle Akteure des sozialen Dialogs in Europa und darüber hinaus informieren und unterstützen will. IR Share stellt seit 2009 die Frankreich Korrespondenten der Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound).


 

In den Schlagzeilen
Die Projekte der Kommission für 2019

Die Europäische Kommission stellte am 23. Oktober ihr Arbeitsprogramm für 2019 vor. Für das letzte Jahr seines Mandats forderte ihr Präsident Jean-Claude Juncker das Europäische Parlament und den Rat auf, die von der Kommission vorgelegten Vorschläge der letzten vier Jahre anzunehmen, denn „die beste Botschaft an die Wähler, die im nächsten Jahr an die Urnen gehen, besteht darin zu zeigen, dass diese Union ihnen konkrete, greifbare Ergebnisse liefert“ (siehe Mitteilung). Das in einem Anhang detaillierte Arbeitsprogramm legt den Schwerpunkt auf 15 neue Initiativen, wovon eine den sozialen Bereich direkt betrifft: Die Kommission möchte die Zahl der Themen im Sozialbereich erweitern, zu denen die Mitgliedstaaten Beschlüsse nicht einstimmig, sondern mit einer qualifizierten Mehrheit fassen können. Dies würde die Annahme neuer Rechtsvorschriften im Sozialbereich vereinfachen. Die Kommission plant ferner, eine Beurteilung der Richtlinie 2006/54 vom 5. Juli 2006 über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Arbeits- und Beschäftigungsfragen durchzuführen. Des Weiteren listet sie die 45 vorrangigen anhängigen Vorschläge auf (in der Tabelle ab Nr. 30), die vor den Europawahlen angenommen werden sollen. Dazu gehören auch die Richtlinienvorschläge zur Umsetzung der europäischen Säule sozialer Rechte in Bezug auf: 1. die Errichtung einer Europäischen Arbeitsbehörde. 2. transparente und verlässliche Arbeitsbedingungen in der EU. 3. die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige. Die Kommission will auch die dritte Überarbeitung der Richtlinie 2004/37 (Karzinogene oder Mutagene) und mehrere Verordnungen annehmen, vor allem in Bezug auf die Koordinierung von Sozialversicherungssystemen in den einzelnen Mitgliedstaaten, den Europäischen Globalisierungsfonds sowie den Europäischen Sozialfonds. Erwähnenswert ist ebenfalls der Richtlinienvorschlag für eine besondere Regelung zur Entsendung von Fahrern im Straßentransportsektor sowie die Überarbeitung der Verordnung Nr. 561/2006 über die Mindestanforderungen für die Regelung der Arbeitszeit von Fahrern.


Sektoraler sozialer Dialog

Arbeitsstellen und Qualifikationen im Stromsektor: Am 23. Oktober unterzeichneten die europäischen Sozialpartner im Stromsektor einen Fahrplan zu Fähigkeiten und Qualifikationen und eine gemeinsame Verpflichtung, der Europäischen Ausbildungsallianz beizutreten (vgl. Pressemitteilung von IndustriAll Europe, EGÖD und Eurelectric).
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In Kürze: Anlässlich der Konferenz der europäischen Sozialpartner in der Chemie-Industrie vom 18. – 19. Oktober zum digitalen Wandel wurde eine Studie über die Auswirkungen auf Beschäftigung und Kompetenzen vorgestellt (vgl. Pressemitteilung von IndustriAll).


Rechtsprechung

Missbrauch von befristeten Arbeitsverträgen: In einer italienischen Rechtssache im Tätigkeitsbereich für Oper und Orchester (EuGH, 25. Oktober 2018, Rs. C-331/17, Sciotto) erinnert der Europäische Gerichtshof die Mitgliedstaaten, dass keine Branche sich komplett den durch die Rechtsvorschriften der EU vorgegebenen Grenzen entziehen kann,  um dem Missbrauch von befristeten Arbeitsverträgen vorzubeugen. Die Rechtssache betrifft eine Ballettänzerin, Martina Sciotto, die durch aufeinanderfolgende befristete Arbeitsverträge vier Jahre lang angestellt war. Der Gerichtshof ist der Ansicht, dass die italienischen Rechtsvorschriften für diese Branche die in der Richtlinie 1999/70 vom 28. Juni 1999 festgelegten Beschränkungen enthalten müssten, wonach die Mitgliedstaaten mindestens eine der folgenden Massnahmen vorsehen müssen, um dem Missbrauch von befristeten Arbeitsverträgen vorzubeugen: sachliche Gründe, die die Verlängerung befristeter Arbeitsverträge rechtfertigen oder die maximal zulässige Dauer oder die zulässige Zahl der Verlängerungen dieser Verträge. In seinem Urteil weist der Gerichtshof die Argumente einzeln zurück, mit denen Italien die Abweichung für diese Branche rechtfertigte. Er stellt hingegen fest, dass die Erneuerung von Arbeitsverhältnissen untersagt ist, die wegen gesetzlicher oder vertraglicher Vorschriften die Umwandlung befristeter Verträge in unbefristete Verträge zur Folge haben.  Untersagt eine strittige Regel eine solche Sanktion in einer bestimmten Branche, muss es für diesen Sektor eine andere, wirksame Maßnahme geben, mit der der missbräuchliche Einsatz von aufeinanderfolgenden befristeten Arbeitsverträgen vermieden und ggf. geahndet wird.


Gewerkschaften

Demokratie am Arbeitsplatz: Mit Blick auf die Europawahlen 2019 stellt der Europäische Gewerkschaftsbund die Demokratie am Arbeitsplatz in den Vordergrund. Nach einer Kundgebung vor dem Europäischen Parlament am 10. Oktober mit Unterstützung von Abgeordneten verschiedener politischer Gruppierungen und Übergabe einer Petition (vgl. Pressemitteilung), fordert der Gewerkschaftsbund eine Richtlinie zur Stärkung der Arbeitnehmerrechte in Bezug auf Unterrichtung und Anhörung sowie die Vertretung der Arbeitnehmer in den Führungsorganen der Unternehmen.


2. Mitgliedstaaten
Deutschland

  • Plattformarbeit: 4,8 % der deutschen Erwachsenen ist auf Plattformen aktiv. Dies geht aus einer Studie (auf Deutsch oder Englisch) hervor, die jetzt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales vorgestellt wurde. Das Ergebnis überrascht, denn die bisherigen Studien nannten eher einen Satz von 2 % als betroffene Bevölkerung (vgl. Pressemitteilung). 40 % (der 4,8 %) verdient mehr als 1.000 Euro brutto pro Woche, ein Drittel weniger als 100 Euro pro Woche.


Polen

Tarifkonflikt in der zivilen Luftfahrt: Unternehmensleitung und Gewerkschaften der Luftfahrtgesellschaft LOT unterzeichneten am 1. November eine Vereinbarung zur Beilegung des Konflikts. Die Vereinbarung sieht vor, dass eine Gewerkschaftsvertreterin wieder eingestellt wird, deren Entlassung einer der Auslöser des Streiks war, sowie die Wiedereinstellung von 67 Beschäftigten, die von der Gesellschaft entlassen wurden, da sie sich dem Streik angeschlossen hatten, den die Unternehmensleitung als „illegal” bezeichnete  (vgl. Pressemitteilung des Europäischen Gewerkschaftsbunds).


Spanien

3. Unternehmen
Europäische Betriebsräte

Fehlende Anhörung bei Umstrukturierung: Der amerikanische Aluminiumproduzent Alcoa kündigte am 17. Oktober die Schließung zweier seiner drei spanischen Standorte an, 700 Beschäftige verlieren ihren Arbeitsplatz. Dem Gewerkschaftsverband IndustriAll Global Union zufolge wirft der EBR von Alcoa der Unternehmensleitung vor, weder unterrichtet, noch angehört worden zu sein. Er „hat eine Beschwerde bei den niederländischen Gerichten eingereicht, um die Schließung und die Entlassungen zu blockieren“ (siehe Pressemitteilung).


Transnationale Vereinbarungen

  • Grundrechte: Die Geschäftsleitung der zweitgrößten brasilianischen Bank Banco Itau (90.000 Beschäftigte) und der internationale Gewerkschaftsverband Uni Global Union haben ihre internationale Rahmenvereinbarung aus dem Jahre 2014 verlängert. Die Bank ist vor allem in Lateinamerika tätig, hat aber auch Niederlassungen in der EU, und zwar in Österreich und Portugal (siehe Pressemitteilung von UNI Global Union).
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    siehe auch die internationale Rahmenvereinbarung des belgischen Baukonzerns Besix, einzusehen auf der Website von IR Share.


Gewerkschaften

Absichtserklärung über Anerkennung von Gewerkschaften: Die Unternehmensleitung von Unilever (161.000 Beschäftigte) und die internationalen Gewerkschaftsverbände IndustriAll Global Union und UITA unterzeichneten am 31. Oktober eine Absichtserklärung zur Gewährleistung von gewerkschaftlichen Rechten innerhalb des Konzerns und bei seinen Lieferanten. In der Vereinbarung werden die beiden globalen Gewerkschaften als „internationale repräsentative Organe von gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten“ anerkannt (vgl. Pressemitteilung von IndustriAll Global Union). In der Vereinbarung werden zwei Treffen pro Jahr zwischen der Unternehmensleitung und den beiden Gewerkschaftsverbänden festgelegt. UITA und die Unternehmensleitung kooperieren bereits in zwei Arbeitsgruppen über dauerhafte Beschäftigung und Geschlechtergleichstellung, die in der Erklärung entsprechend hervorgehoben werden. 2016 unterzeichneten die Parteien bereits eine gemeinsame Verpflichtung zur Prävention von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

 

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Gemeinsam mit unseren Experten und nationalen Korrespondenten verfolgen wir einen dynamischen, praktischen und nützlichen Ansatz für das europäische Sozialmonitoring.

Dadurch wählen wir die relevantesten Themen aus, die als Quelle für fachübergreifende und inspirierende Ideen dienen.

Jede Ausgabe enthält:

  • Eine Interview mit einer Expertin oder einem Experten aus dem Bereich der Arbeitsbeziehungen, die/der eine ganz eigene Perspektive auf aktuelle soziale Fragen, Vereinbarungen oder Best-Practice-Beispiele einbringt.
  • Aktuelle Informationen über Entwicklungen in der EU-Gesetzgebung und der Rechtsprechung.
  • Monitoring der arbeitsrechtlichen Entwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten.
  • Berichte über die neuesten Entwicklungen bei den Europäischen Betriebsräten und den SE-Betriebsräten.
  • Schließlich hält IR Notes Sie über die wichtigsten Studien und Forschungsarbeiten aus der Arbeitswelt auf dem Laufenden.

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