IR Notes

Gemeinsam am Aufbau eines sozialen Europas arbeiten

Eine unabhängige, zuverlässige und unparteiische Informationsquelle zu Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in Europa.

IR Notes 2 – Laufende Verhandlungen über die Richtlinie zur wirksameren Regulierung der Arbeitnehmerentsendung

  IR Notes 2 – 29 Januar 2014
www.irshare.eu
 
 
  Über IR Share

IR Share bietet Zugriff auf Informationen, Dokumentationen und Fachwissen für Personalmanager und Arbeitnehmervertreter. IR Share arbeitet mit Online- Veröffentlichungen, Arbeitsgruppen, themenspezifischen Schulungen und einem Expertennetzwerk.


Das Team
Erfahren Sie mehr über das IR Share-Team auf unserer Website.


Abonnieren Sie IR Notes
Mit wenigen Klicks auf der IR Share-Website oder per Telefon unter:
+33 (0)6 81 41 53 95

 
  Interview
Alejandro Cercas, Spanischer Europaabgeordneter, Mitglied der Fraktion Sozialisten & Demokraten (S&D) im Europäischen Parlament

Wie gehen Sie vor bei den Recherchen für Ihren Bericht über die sozialen Folgen der Maßnahmen der Troika in den vier Ländern, die finanzielle Hilfen erhalten (Zypern, Irland, Griechenland und Portugal)?
Auf der einen Seite haben wir eine Reihe von Anhörungen durchgeführt und von den Arbeiten des Informationsdienstes des Europäischen Parlaments profitiert (Briefing: Austerity, labour market and international treaties, 11.12.2013 ; Briefing: Social dimension of austerity measures, 10.12.2013). Der Abschlussbericht wird im März dieses Jahres auf der Vollversammlung des Europäischen Parlaments vorgestellt (siehe vorläufiger Bericht). Wir stellen mit Entsetzen fest, dass die Mitgliedstaaten Reformen eingeleitet haben, die offen gegen die Europäische Sozialcharta, die Charta der Grundrechte der Europäischen Union und gegen bestimmte ILO-Übereinkommen verstoßen.


Wie lauten die ersten Erkenntnisse?
Die Mitglieder der Troika haben nicht verstanden, dass es bestimmte Grenzen gibt und dass bei allen wirtschaftlichen Erwägungen auch die Rechtsgrundlage zu beachten ist. Alle Untersuchungen zeigen, dass die Folgen für die Tarifverhandlungen verheerend waren: Für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer dieser Länder gibt es keine Tarifverträge mehr. Der soziale Dialog wurde ausgeschaltet! Es scheint, als seien die Sozialpartner mit Absicht nicht respektiert worden, was dazu geführt hat, dass mehrere Jahrzehnte sozialer Dialog zerstört wurden.


Wird Ihr Bericht Empfehlungen enthalten?
Wir sind der Ansicht, dass der Sozialdialog wieder hergestellt werden muss, ihm muss wieder ein Platz eingeräumt und das Arbeitsrecht neu aufgebaut werden. Wir verstehen, dass die Krise eine Sparpolitik erfordert, aber wenn diese dazu führt, dass ein Mindestlohn oder eine Mindestrente unter der Armutsgrenze festgelegt wird, werden eindeutig Grenzen überschritten, die nicht mehr akzeptiert werden können.


Sie können diese Arbeit unterstützen und auf LinkedIn dem spanischen Berichterstatter Alejandro Cercas Ihre Ideen zur Untersuchung mitteilen.

 
  Agenda

3. bis 6. Februar
Straßburg

Vollversammlung des Europäischen Parlaments


5. Februar
Paris
Seminar von Europe et Société und RDS über den europäischen sozialen Dialog, es werden die europäischen Unternehmensverbände vorgestellt. Kontakt: europeetsociete@wanadoo.fr


5. – 7. Februar
Melbourne
Jahrestagung der Association of Industrial Relations Academics of Australia and New Zealand (Airaanz).
Nähere Informationen: www.airaanzconference2014.com


6. Februar
Paris
IRES-Gespräche (“Entretiens de l’Ires”) zum Thema „Europa und Gewerkschaften“ anlässlich der Jahressonderausgabe der La Chronique internationale von IRES „les syndicats face à la nouvelle gouvernance européenne”. Programm und Anmeldung on-line.


28. Februar
Brüssel
Monatliches Forum des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (Etui) zum europäischen REFIT-Programm : „Vereinfachung oder Deregulierung?

 

IR Notes erscheint alle 14 Tage in mehreren europäischen Sprachen und wird von IR Share und seinem Expertennetzwerk herausgebracht. Dieser Newsletter bietet ein europaweites Monitoring zu Arbeitsrecht, Arbeitsbeziehungen und Beschäftigungspolitik. Er kann für einen Betrag von monatlich 15,00 Euro zzgl. MwSt. auf der IR Share-Website abonniert werden. IR Share ist ein unabhängiges und nicht parteigebundenes Privatunternehmen, das alle Akteure des sozialen Dialogs in Europa und darüber hinaus informieren und unterstützen will. IR Share stellt seit 2009 die Frankreich- und Luxemburg- Korrespondenten der Dubliner Stiftung (Eurofound).

 

In den Schlagzeilen
Laufende Verhandlungen über die Richtlinie zur wirksameren Regulierung der Arbeitnehmerentsendung

Zurzeit verhandeln die Vertreter des Rats, der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments in einem Trilog hinsichtlich der Richtlinie über die Entsendung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, um diese noch vor Ende der Legislaturperiode des Europäischen Parlaments durchzusetzen.  Nach dem Kompromiss, den die Mitgliedsländer am 9. Dezember (Pressemitteilung) erzielten, haben bereits zwei Sitzungen stattgefunden; das Klima ist konstruktiv und geprägt von der Bestrebung, die Verhandlungen erfolgreich abzuschließen. Die Verhandlungsführer haben die unbequemen Punkte jedoch noch nicht angesprochen:  1/ Artikel 9 des Textes, in dem eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen werden, die von den Mitgliedstaaten durchgeführt werden können, um gegen den Missbrauch im Rahmen dieser Entsendungen vorzugehen. Nach dem von den Staaten erzielten Kompromiss können Maßnahmen dieser Liste hinzugefügt werden, sofern sie angemessen sind – was darauf hinausläuft, diese Einschätzung dem Gerichtshof der Europäischen Union zu überlassen – und der Kommission mitgeteilt werden. Zwei Einschränkungen, die die Verhandlungsführer des Parlaments gerne aufheben würden. 2/In Artikel 12 wird eine gesamtschuldnerische Haftung zwischen Auftraggeber und Subunternehmer festgelegt, um insbesondere die Zahlung der Löhne und Gehälter oder der Sozialbeiträge zu garantieren. Der Kompromiss begrenzt diese Maßnahmen auf die direkte Vergabe von Unteraufträgen und auf das Baugewerbe, während das Parlament sie auf alle Sektoren sowie auf die direkte und indirekte Vergabe von Unteraufträgen ausweiten will. Diese beiden Punkte standen auf der Tagesordnung der Sitzung vom 28. Januar.


1. Europäische Union Rechtsvorschriften
Rechtsvorschriften

  • Ionisierende Strahlung: Die am 5. Dezember 2013 erlassene Richtlinie 2013/59 des Rates über die Exposition gegenüber ionisierender Strahlung ist im Amtsblatt veröffentlicht worden (ABl. 17 Januar 2014, Nr. L 13, S. 1). In dieser Richtlinie werden die grundlegenden Sicherheitsnormen für den Schutz vor den Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung festgelegt und fünf frühere Richtlinien aufgehoben. Sie bezieht sich insbesondere auf den Schutz von Personen, die beruflicher Exposition ausgesetzt sind, vor den Gefahren durch diese Strahlung. Die Mitgliedsstaaten müssen die Richtlinie innerhalb der nächsten vier Jahre in nationales Recht umsetzen.


Entwürfe

  • Öffentlicher Aufträge: das Parlament hat in erster Lesung die Vorschläge der zwei Richtlinien angenommen, bei denen es um die Vergabe öffentlicher Aufträge und die Vergabe von Konzessionsverträgen geht. Diese Vorschläge berücksichtigen zusammen mit dem Kriterium des „wirtschaftlich günstigsten Angebots“ auch ökologische und soziale Aspekte. Sie müssen jetzt vom Rat geprüft werden.

  • Straßenverkehr: Am 15. Januar hat das Parlament in zweiter Lesung eine Entschließung betreffend den Standpunkt des Rates zum Erlass einer Verordnung über Fahrtenschreiber im Straßenverkehr verabschiedet.


Aktuell

  • Europäisches Parlament: Das Parlament hat in seiner letzten Plenarsitzung eine Reihe von Entschließungen angenommen, nämlich:
    –„zu wirksamen Kontrollen am Arbeitsplatz als Strategie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Europa“. Darin geht es vor allem um die Bekämpfung der Scheinselbstständigkeit und missbräuchlicher Praktiken im Rahmen der Entsendung von Arbeitnehmern.
    – „zur finanziellen Beteiligung der Arbeitnehmer an den Unternehmensgewinnen“, um „die bestehenden Programme zur finanziellen Beteiligung […] stufenweise konvergieren zu lassen, sodass die Arbeitgeber künftig in der Lage sind, die Programme in allen Mitgliedstaaten, in denen sie Arbeitnehmer beschäftigen, in gleicher oder ähnlicher Form anzubieten“.
    – „über Sozialschutz für alle, einschließlich selbständig Erwerbstätiger“. Die Abgeordneten fordern eine Verbesserung des Sozialschutzes für Selbstständige und Strafen für Arbeitgeber, die Scheinselbständige beschäftigen.

  • Freizügigkeit in der EU: Mitten in der heißen Phase des Streits über „Sozialtourismus“ hat das Parlament eine Entschließung zur „Achtung des Grundrechts auf Freizügigkeit in der EU“ verabschiedet, im Widerspruch zur Haltung führender Politiker in Europa, die die Freizügigkeit der Bürger einschränken und eine Obergrenze für die Aufnahme von EU-Migranten befürworten.

  • Industriepolitik: Am 22. Januar hat die Europäische Kommission eine Mitteilung verabschiedet, die mit dem Titel: Für eine industrielle Renaissance in Europa zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit der EU überschrieben ist. Ziel ist es, den Anteil der Wertschöpfung von derzeit 15% bis zum Jahr 2020 auf 20% des BIP zu steigern, ein Ziel, dass die Kommission 2012 festgelegt hatte. Dazu Markus J. Beyrer, Generaldirektor des Verbandes der Europäischen Industrie BusinessEurope: In dem heute veröffentlichten Maßnahmenpaket ist positiv hervorzuheben, dass die Herausforderungen der hohen Energiepreise in der EU anerkannt und das Risiko des Investitionsschwunds deutlicher angesprochen werden.“  Die Gewerkschaftsbewegung kritisiert, dass dieser Bericht die soziale Dimension ignoriert und die Antizipation von Umstrukturierungen nicht anspricht (siehe Mitteilung von CES–IndustriAll). Dagegen wurde die Entschließung des Europäischen Parlaments über die Reindustrialisierung der Union begrüßt (siehe Mitteilung).

  • Arbeitszeit. Die Europäische Kommission hat am 23. Januar Spanien aufgefordert (siehe Memo der Kommission), das Recht der Angehörigen der Guardia Civil auf Mindestruhezeiten und auf 48 Stunden begrenzte durchschnittliche Wochenarbeitszeit gemäß der Arbeitszeitrichtlinie 2003/88/EG zu achtenn.

  • Troika: Im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten des Europäischen Parlaments wurde eine Debatte geführt über die Rolle der Troika EU-IWF-EZB in den Mitgliedsstaaten, für die finanzielle Hilfsprogramme aufgestellt werden. Kritisch betrachtet wurde die Schwächung der Tarifverhandlungen, die Verletzung der grundlegenden Sozialrechte sowie die hohen Arbeitslosenzahlen (siehe Mitteilung).


Sektoraler sozialer Dialog

  • Audiovisueller Bereich und darstellende Kunst: Gewerkschaftsmitglieder aus Europa trafen sich am 20. und 21. Januar in Brüssel, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu diskutieren (siehe Pressemitteilung von UNI-Europa) Als Ergebnis des Seminars wird ein gemeinsames Papier mit den gemeinsamen Grundsätzen und Empfehlungen für den Sektor zur Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie abgefasst.

  • Eisenbahnsektor: Die Sozialpartner (CER und ETF) haben die Ergebnisse des ersten Jahresberichts über die Beschäftigung von Frauen in europäischen Eisenbahnunternehmen veröffentlicht. Danach liegt der durchschnittliche Anteil der Arbeitnehmerinnen im Eisenbahnsektor konstant bei ca. 20%. Im Oktober 2013 gaben sie einen Leitfaden zur Erkennung und Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz im Eisenbahnsektor heraus.


Rechtsprechung

  • Charta der Grundrechte: Der Gerichtshof hat ein bemerkenswertes Urteil gefällt über die Berechnung der Beschäftigtenzahl, die bei der Berechnung des Schwellenwerts zur Einführung von Arbeitnehmervertretungen zu berücksichtigen ist.  Das Gericht beurteilt, dass Artikel 27 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (Recht auf Unterrichtung und Anhörung der Arbeitnehmer im Unternehmen) für sich alleine nicht ausreicht, um in einem Rechtsstreit eine dem Unionsrecht entgegenstehende nationale Bestimmung unangewendet zu lassen. Aufgrund der ungenauen Formulierung von Artikel 27 kann die Anwendung einer dem Unionsrecht entgegenstehenden nationalen Bestimmung daher nicht ausgeschlossen werden.


2. Mitgliedstaaten
Deutschland


  • Mindestlohn in Schlachthöfen: Die Sozialpartner in der Fleischbranche haben am 13. Januar 2014 einen Tarifvertrag unterzeichnet, wonach ab 1. Juli für die 80.000 Beschäftigten der Branche ein Mindestlohn von 7,75 Euro je Stunde gilt. Der Mindestlohn wird danach in drei weiteren Stufen angehoben und findet bundesweite Anwendung (siehe Mitteilung der NGG und der Arbeitgebervereinigung ANG).

  • Gewerkschaftszugehörigkeit: Nach den neuesten Zahlen des DGB ist die Gesamtmitgliederzahl seiner angeschlossenen Gewerkschaften im Jahre 2012 um 0,1% zurückgegangen. Nach einem von Eurofound veröffentlichten Artikel setzt sich damit im Vergleich zu vorangegangenen Jahren die allgemeine Konsolidierung fort.


Frankreich


  • Berufliche Weiterbildung, sozialer Dialog und Kontrollen am Arbeitsplatz: Am 22. Januar beschloss der Ministerrat einen Gesetzentwurf zur beruflichen Weiterbildung, Beschäftigung und sozialen Demokratie (Link zur Pressemitteilung, Zusammenfassung und zum Gesetzentwurf). Dieser Entwurf enthält die Bestimmungen der Vereinbarung vom 14. Dezember 2013 über die Reform der beruflichen Weiterbildung, auf die sich die Sozialpartner geeinigt hatten. Darüber hinaus enthält er wichtige Bestimmungen über die Repräsentativität von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, über die Finanzierung des Sozialdialogs und der „Parität“ (Leitung von Einrichtungen durch die Sozialpartner) sowie die Stärkung der Befugnisse der Arbeitsaufsichtsbehörde.

  • Eine einzige Datenbank: In einer Verordnung vom 27. Dezember 2013 wird die Funktionsweise der „einzigen Datenbank“ für Wirtschaft und Soziales festgelegt, die nach dem Gesetz vom 14. Juni 2013 zur Sicherung von Beschäftigung eingerichtet wurde. In dieser Datenbank sind alle Informationen gespeichert, die dem Betriebsrat regelmäßig vorzulegen sind, sowie die Angaben, die für die jährliche Sitzung des Betriebsrats über die strategische Ausrichtung des Unternehmens und ihre Auswirkungen erforderlich sind.  Die Datenbank wird nach und nach eingerichtet – spätestens bis zum 14. Juni 2014 für Unternehmen ab 300 Beschäftigte; spätestens bis zum 14. Juni 2015 für Unternehmen mit weniger als 300 Beschäftigte.

  • Sonntagsarbeit: Entsprechend einer Verordnung, nach der Heimwerkermärkte am Sonntag geöffnet haben dürfen, haben sich die Sozialpartner auf ein Rahmenabkommen geeinigt, wonach Sonntagsarbeit nur auf freiwilliger Basis, mit Recht auf Verweigerung und der Verdoppelung des Arbeitsentgelts für die Sonntagsarbeit erfolgen darf. Weiterhin wurde das Recht auf 12 arbeitsfreie Sonntage pro Jahr festgelegt.


Slowenien

  • Schwarzarbeit: Die Regierung hat am 19. Dezember 2013 ein Gesetz zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft und der Schwarzarbeit verabschiedet (siehe Pressemitteilung des Arbeitsministeriums).


3. Unternehmen
Europäische Betriebsräte

  • Air France-KLM: Die Leitung der Fluggesellschaft Air France-KLM und ihr Europäischer Betriebsrat (EBR) haben am 9. Dezember 2013 ein Rahmenabkommen über die europäische Umgestaltung ihrer Frachtaktivitäten (Cargo Europe) unterzeichnet. Die Unternehmensleitung und der EBR haben damit zum vierten Mal ein Rahmenabkommen zu den gemeinsamen Regelungen für Antizipation und Management von Umstrukturierungen unterzeichnet. Im März 2010 hatten sie eine Einigung für die Flughafenagenturen in Europa erzielt, im November 2011 über die Außenstellen in Europa, gefolgt von dem Rahmenabkommen vom 12. Juni 2013 über Außenstellen und kommerzielle Unternehmen in Europa.

  • Coface: Die Leitung der Coface-Gruppe und ihr Europäischer Betriebsrat haben am 11. Juni 2013 eine neue Vereinbarung unterzeichnet.  Für die Länder mit einer geringen Beschäftigtenzahl (unter 50 Arbeitnehmer) sieht die Vereinbarung „zwei Mitglieder“ vor, die alle Länder vertreten, in denen weniger als 50 Arbeitnehmer beschäftigt sind. Sie werden aus den von den betroffenen Unternehmen benannten Kandidaten gewählt. Bei außergewöhnlichen Umständen kann der engere Ausschuss nach eigenem Ermessen entscheiden, „ob er das Gremium ist, das unterrichtet und/oder konsultiert werden muss und eine Stellungnahme abgibt“,  ob er sich mit den von den Maßnahmen betroffenen Mitgliedern zusammensetzten oder ob eine außerordentliche Sitzung des Betriebsrats einberufen werden muss.

  • Decathlon: Der Gewerkschaftsbund CFDT hat den Personalleiter von Decathlon in einem Schreiben dazu aufgefordert, in den kommenden sechs Monaten einen Europäischen Betriebsrat einzurichten, wie aus einer Mitteilung des Gewerkschaftsbunds hervorgeht.

  • Hewlett-Packard (HP): Nach dem Scheitern der Verhandlungen über die Einrichtung eines neuen Europäischen Betriebsrats und der Weigerung der Unternehmensleitung, die Gesprächsrunde um einen Monat zu verlängern, stellte der Betriebsrat am 24. Januar seine Arbeit ein. An diesem Tag trat die Kündigung der EBR-Gründungsvereinbarung seitens der Arbeitnehmervertreter in Kraft. In einem Schreiben teilte die HP-CEO mit, dass die europäische Geschäftsleitung ab dem 24. Januar die Einrichtung eines besonderen Verhandlungsgremiums (BVG) vorbereiten wird.


Grenzüberschreitende Vereinbarung

  • Pernod Ricard: Die Gruppe Pernod Ricard (19.000 Mitarbeiter) und der europäische Gewerkschaftsverband EFFAT haben am 7. Januar ein Europa-Abkommen über die soziale Verantwortung des Unternehmens unterzeichnet, das für alle Unternehmen der Gruppe in der EU (über die Hälfte der Mitarbeiter weltweit) gilt. Dieses Abkommen gehört sowohl im Hinblick auf die abgedeckten Themen als auch die Eindeutigkeit der Verpflichtungen zu den umfassendsten Vereinbarungen, die in den letzten Jahren erzielt wurden. Die Unternehmensleitung gibt an, dass sie „dieses Abkommen nach und nach auf alle Tochtergesellschaften weltweit ausdehnen“ möchte.


Verhandlungen auf Betriebsebene

  • Volkswagen: Der Automobilhersteller hat seinen Mitarbeitern im slowakischen VW-Werk in Bratislawa den Vorschlag unterbreitet, ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitslohn um 4% zu kürzen, um die Produktion zu modernisieren. Dies berichtet die englischsprachige Zeitung Slovak Spectator (21.01.) unter Berufung auf die slowakische Tageszeitung Hospodářské noviny.


4. Studien und Berichte


  • Die Arbeitsbeziehungen in Ostmitteleuropa: Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat ihre jährlichen Reviews über die Arbeitsbeziehungen und den Sozialen Dialog in den Ländern Ostmitteleuropas im Rahmen des Projekts „Arbeitsbeziehungen und Sozialer Dialog in Ostmitteleuropa“ veröffentlicht. Diese Reviews decken Ungarn, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei und die drei baltischen Staaten ab.

  • Soziale Bilanz der Euroäischen Union: Die Europäische Kommission hat am 21. Januar ihren Bericht über die Entwicklungen in Beschäftigung und Gesellschaft in Europa 2013 vorgestellt, der einen deutlichen Anstieg der Armut bei der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter herausstreicht. Die Kommission kommt zu der Erkenntnis, dass die allmähliche Senkung der Arbeitslosenzahlen möglicherweise nicht ausreiche, um dieser Entwicklung gegenzusteuern.

  • Streikstatistik: Das Europäische Gewerkschaftsinstitut (Etui) hat eine interaktive Statistikkarte erstellt, die Auskunft über Streiks in den Ländern der EU gibt.

  • Sozialversicherungsrecht: Die Europäische Kommission hat einen praktischen Leitfaden zur „Feststellung des gewöhnlichen Aufenthaltsorts“ veröffentlicht. Dieser soll den Mitgliedstaaten bei der richtigen Anwendung der EU-Vorschriften über die Koordinierung der sozialen Sicherheit helfen, und zwar im Hinblick auf diejenigen Unionsbürger, die in einen anderen Mietgliedstaat umgezogen sind.


Das aktuelle Schlagwort
Sektoraler sozialer Dialog


Wie in zahlreichen Ländern wird ein Sozialdialog auch auf europäischer Ebene im Rahmen von Ausschüssen für den europäischen sozialen Dialog in einer Vielzahl von Branchen geführt. Es gibt zurzeit 43 soziale Dialoge in Sektoren wie Chemie, Metallurgie, Lebensmittelverarbeitung, Profifußball, Häfen oder Grafische Industrie. In jedem dieser Sektoren diskutieren die europäischen Gewerkschaftsverbände mit den Arbeitgeberorganisationen, um diverse Instrumente auszuarbeiten – diese reichen von flexibleren Regelungen (gemeinsame Erklärungen, Leitlinien für bewährte Praktiken, gemeinsame Seminare etc.) bis hin zu verbindlichen Maßnahmen wie europäische Tarifverträge. Die verabschiedeten Dokumente können von einer Datenbank der Europäischen Kommission abgerufen werden. Weitere Informationen dazu im Europäischen Wörterbuch der Arbeitsbeziehungen (in englischer Sprache).

 


Désabonnement

IR Notes

Eine Einführung

IR Notes ist ein unabhängiger, zuverlässiger und ausgewogener Informationsdienst zu Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in Europa.

Dieser Newsletter erscheint in 6 Sprachen, ist im Abonnement erhältlich und bietet Ihnen Zugang zu prägnanten, zielgerichteten und praxisnahen Informationen zu den wichtigsten Themen des sozialen Europas und des transnationalen sozialen Dialogs.

Gemeinsam mit unseren Experten und nationalen Korrespondenten verfolgen wir einen dynamischen, praktischen und nützlichen Ansatz für das europäische Sozialmonitoring.

Dadurch wählen wir die relevantesten Themen aus, die als Quelle für fachübergreifende und inspirierende Ideen dienen.

Jede Ausgabe enthält:

  • Eine Interview mit einer Expertin oder einem Experten aus dem Bereich der Arbeitsbeziehungen, die/der eine ganz eigene Perspektive auf aktuelle soziale Fragen, Vereinbarungen oder Best-Practice-Beispiele einbringt.
  • Aktuelle Informationen über Entwicklungen in der EU-Gesetzgebung und der Rechtsprechung.
  • Monitoring der arbeitsrechtlichen Entwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten.
  • Berichte über die neuesten Entwicklungen bei den Europäischen Betriebsräten und den SE-Betriebsräten.
  • Schließlich hält IR Notes Sie über die wichtigsten Studien und Forschungsarbeiten aus der Arbeitswelt auf dem Laufenden.

IR Notes
Gemeinsam ein soziales Europa aufbauen

Der IR Notes-Newsletter bietet jedem in Europa Zugang zu einer unabhängigen, zuverlässigen und unparteiischen Informationsquelle zu Themen rund um die Arbeitsbeziehungen

Three questions for Delphine Rudelli

Three questions for Delphine Rudelli

Three questions for Delphine Rudelli, Director General of CEEMET (*) On the delays in transposing the ‘pay transparency’ directive “We are calling for the application of the directive to be suspended while we assess what can be simplified – not to reduce rights, but...

read more...
European Union – Social update

European Union – Social update

European Works Councils The Expert Group set up by the European Commission to help Member States transpose the new Directive (EU) 2025/2450 on European Works Councils is due to submit its report this summer. This report may constitute a useful point of reference when...

read more...
A step in coordination of national social security systems

A step in coordination of national social security systems

At last, a step forward for freedom of movement for workers in the EU On 22 April, representatives of the Council and Parliament reached a provisional agreement on revising the rules on coordination of national social security systems, as provided for by regulation...

read more...
Picture of Nora Krokovay

A question for… Nora Krokovay

A question for…Nora Krokovay, Senior Analyst at Kopint-Tárki What changes can we expect in terms of social dialogue and labour law in Hungary following the elections that brought an end to Viktor Orbán’s 16-year leadership? The atmosphere was very euphoric and joyful...

read more...
Improvements in job quality

Improvements in job quality

Eurofound notes improvements in job quality in Europe Now that the European Commission has announced its intention to present a bill on job quality by the year end, the results of the latest European Working Conditions Survey (EWCS) will be scrutinised very...

read more...
Is pay transparency the new enemy to be targeted?

Is pay transparency the new enemy to be targeted?

After seeing off the corporate sustainability reporting and due diligence directives, Member States appear ready to tackle the pay transparency directive, which is due to be transposed in Member States by 7 June 2026.Not only are many countries behind schedule, but a...

read more...
A question to… Lidia Gil Otero

A question to… Lidia Gil Otero

A question for…Lidia Gil Otero, PhD Assistant Professor in Labour and Social Security Law at Santiago de Compostela University In the context of the Digilare project (*), you advocate using the transposition of the Platform Work Directive, which is due to be completed...

read more...