IR Notes

Gemeinsam am Aufbau eines sozialen Europas arbeiten

Eine unabhängige, zuverlässige und unparteiische Informationsquelle zu Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in Europa.

IR Notes 237 – Stellantis setzt mit EBR neue Maßstäbe

  IR Notes 237 – 2 Oktober 2024
www.irshare.eu
 
 
  Eine Frage an …
Bruno Demaître, Senior Policy Advisor bei industriAll Europe

Sie haben einen digitalen Leitfaden für Beschäftigte eingeführt, die mit Umstrukturierungen konfrontiert sind. Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Transnational Restructuring Navigator?
Als ich vor gut vier Jahren zu industriAll Europe kam, bestand eine meiner Aufgaben darin, ein Handbuch über Umstrukturierungen zu aktualisieren, das noch aus der Zeit des Europäischen Metallgewerkschaftsbunds stammt, einem der drei Verbände, aus denen dann industriAll Europe wurde. Schon bald stellte sich heraus, dass ein Handbuch mit rund 100 Seiten nicht mehr das richtige Instrument war. Wir haben uns für eine Website entschieden, um ein breiteres Publikum zu erreichen. So können wir die Inhalte regelmäßig aktualisieren, und über eine automatische Übersetzungssoftware haben sehr viele Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaftler Zugang zu diesen Informationen. Ziel ist es, Beschäftigten, die mit transnationalen Umstrukturierungen konfrontiert sind, und insbesondere EBR-Mitgliedern den Zugriff auf Ressourcen und erste Empfehlungen zu ermöglichen. Sie können die Art der Umstrukturierung, von der sie betroffen sind, die Ebene der Arbeitnehmervertretung, die sie interessiert, sowie die Phase der Umstrukturierung auswählen – von bloßen Gerüchten bis hin zur Umsetzung. Schnell erhalten sie je nach ihrer Situation entsprechende Handlungsvorschläge. Für präzisere Empfehlungen, die unseren Mitgliedern vorbehalten sind, sowie gezieltere Unterstützung wird ihnen empfohlen, ihre Gewerkschaft oder einen der sechs europäischen Gewerkschaftsverbände zu kontaktieren, die das Projekt unterstützt haben.

 
  Agenda

 


4. Oktober
Paris
Konferenz des Verbands Réalité du Dialogue Social mit dem Titel „Neues Europäisches Parlament: Welche Perspektiven für das soziale Europa?“, u. a. mit Maxime Cerutti (BusinessEurope), Isabelle Schömann (EGB), Rémi Boyer (Clariane), Livia Hentschel (DGB) und Jean-Michel Pottier (CPME).


7.-10. Oktober
Straßburg

Vollversammlung des Europäischen Parlaments


9. Oktober
Budapest
Informelle Tagung
der Minister für Beschäftigung und Sozialpolitik


17. und 18. Oktober
Bruxelles

Europarat


4. November
Straßburg
Konferenz über „die Gleichstellung in der Arbeitswelt, Vergleich Frankreich – Deutschland“, mit Gerhard Binkert (Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg) und Yves Struillou (Conseil d’État). Kontakt: fru6703-contact@unistra.fr


14. November
Paris
Internationale Konferenz des französischen Arbeitsschutzinstituts INRS zur Antizipation des Wandels in der Arbeitswelt und zur Prävention von Berufsrisiken (Programm).


2.-3. Dezember
Brüssel

Tagung des Rats für Beschäftigung und Sozialpolitik.

 
  Über uns

 


IR Notes erscheint alle 14 Tage in mehreren europäischen Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch) wird von IR Share und seinem Expertennetzwerk herausgebracht. Dieser Newsletter bietet ein europaweites Monitoring zu Arbeitsrecht, Arbeitsbeziehungen und Beschäftigungspolitik. Er kann für einen Betrag von jährlich 273,00 Euro zzgl. MwSt. auf der IR Share-Website abonniert werden


Das Team: Diese Ausgabe wurde erstellt bei Ambre Grenier-Boley, Iris Turlan und Frédéric Turlan.
Erfahren Sie mehr über das 
IR Share-Team auf unserer Website.


Abonnieren Sie IR Notes Mit wenigen Klicks auf der IR Share-Website oder per Telefon unter: 
+33 (0)6 81 41 53 95


Impressum. Herausgeber: IR Share SARL – 5, Les Compères – 89520 Fontenoy – Frankreich – Tel.: +33 (0)6 81 41 53 95 –  Stammkapital 1.500 Euro – Handelsregister-Nr. (RCS Auxerre): 512 567 959. Verantwortlicher für die Veröffentlichung: Frédéric Turlan. Hosting: ALTEO – Damien Cornillet – Château – 89500 Villeneuve-sur-Yonne1. CPPAP Nr.: 0621 Z 93933.

 
  Folgen Sie uns auf LinkedIn

Damit Sie auch zwischen den Ausgaben auf dem Laufenden bleiben: Wir informieren Sie auf LinkedIn IR Notes über aktuelle Entwicklungen. Folgen Sie uns! 635 Personen folgen uns bereits!

 
  Europäisches Wörterbuch der Arbeitsbeziehungen

Wenn Sie die Inhalte von IR Notes vertiefen wollen, stellen wir Ihnen gerne die Links zum Europäischen Wörterbuch der Arbeitsbeziehungen zur Verfügung, das von Eurofound veröffentlicht und regelmäßig von IR Share, dem Herausgeber von IR Notes, aktualisiert wird. Das Wörterbuch ist auf English, doch die Definitionen der Begriffe lassen sich mit Online-Übersetzungstools leicht übersetzen.

 

IR Share ist ein unabhängiges und nicht parteigebundenes Privatunternehmen, das alle Akteure des sozialen Dialogs in Europa und darüber hinaus informieren und unterstützen will. IR Share stellt seit 2009 die Frankreich Korrespondenten der Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen.

 

In den Schlagzeilen
Stellantis setzt mit EBR neue Maßstäbe

Die Unternehmensleitung des Automobilherstellers Stellantis und ein vom Gewerkschaftsverband IndustriAll Europe unterstütztes besonderes Verhandlungsgremium unterzeichneten am 18. September eine Vereinbarung über die Errichtung eines Europäischen Betriebsrats für die Gruppe, die 2021 aus der Fusion von PSA und Fiat Chrysler Automobiles hervorgegangen ist (s. Mitteilung von IndustriAll Europe). Mit dieser neuen Vereinbarung nach niederländischem Recht werden die drei EBRs der verschiedenen Gruppenunternehmen aufgelöst. Die Vereinbarung ist eine der wenigen, die in den letzten Jahren in einem so großen Konzern abgeschlossen wurde. Da die Verhandlungen teilweise auf der Grundlage von Texten im Zusammenhang mit der Überarbeitung der EBR-Richtlinie geführt wurden, wird die Vereinbarung in Zukunft wohl als Referenz bei Neuaushandlungen von Vereinbarungen unter Berücksichtigung der künftigen überarbeiteten Richtlinie dienen.  Der neue EBR ist zuständig in transnationalen Angelegenheiten, „mit erheblichen Auswirkungen auf die Interessen der Arbeitnehmer der Gruppe, wenn sie mindestens 5 % der Arbeitnehmer in mindestens zwei der genannten Länder betreffen“. Weitere Aufgabenbereiche des EBR sind: Umweltbelange und Dekarbonisierungsrichtlinien, Digitalisierung, die Hauptausrichtungen der Sozialpolitik und die wichtigsten HR-Projekte der Gruppe. Er besteht aus 37 Mitgliedern, davon zwei britische Arbeitnehmervertreter mit beratender Funktion. Es wird ein Sonderausschuss aus 12 Mitgliedern eingerichtet, wobei die Sitze entsprechend der Zahl der Beschäftigten in jedem Land vergeben und die Mitglieder von den Länderdelegationen benannt werden.  EBR und Sonderausschuss tagen zweimal im Jahr (für mindestens 2,5 Tage). Bei außergewöhnlichen Umständen kann der Sonderausschuss die Unterrichtungs- und Anhörungsrechte des EBR ausüben, sofern dies mit der Unternehmensleitung vereinbart wird. Der EBR hat „außerdem das Recht, eine Stellungnahme zu jeder Angelegenheit abzugeben, die nicht Gegenstand eines formellen Anhörungsverfahrens ist, die aber von den Arbeitnehmervertretern als relevant und von internationaler Bedeutung“ eingestuft wurde.
Pro vierjährige Amtszeit stehen den EBR-Mitgliedern 2 bis zu 6 Schulungstage zu, wobei der Schulungsplan alle 2 Jahre vom Sonderausschuss erstellt wird. Die Geheimhaltungsklausel ist recht präzise und betont, dass die Vertraulichkeitsverpflichtung weder zwischen Vollmitgliedern und stellvertretenden Mitgliedern gilt, noch für lokale Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaftsfunktionäre, „die jedoch die gleiche Geheimhaltungspflicht wie die EBR-Mitglieder zu beachten haben“. Die Klausel über den Schutz der Mitglieder sieht vor, dass der EBR über alle Disziplinarmaßnahmen informiert sein muss, die eines seiner Mitglieder betreffen, und er „erhält die Möglichkeit, die Angelegenheit mit dem Management zu erörtern, bevor eine Sanktion beschlossen wird“. Der EBR hat kein eigenes Budget. Die EBR-Mitglieder erhalten zur Erfüllung ihrer Aufgaben eine Zeitgutschrift von 4 Tagen, die Mitglieder des Sonderausschusses 8 Tage, der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und der Sekretär 16 Tage. Der EBR kann von einem Vertreter von IndustriAll Europe unterstützt werden, wobei die Unternehmensleitung die Reise- und Unterbringungskosten übernimmt sowie die „Gebühren“ – was unserer Meinung nach bei EBR-Vereinbarungen ein Novum ist. Der EBR kann ferner von einem Wirtschaftsprüfer unterstützt werden, um die Bücher zu analysieren. Bei „außergewöhnlichen Themen“ in einem Anhörungsverfahren kann er auch einen Sachverständigen seiner Wahl hinzuziehen. Schließlich ist in der Kündigungsklausel vorgesehen, dass der EBR nach den subsidiären Vorschriften der Richtlinie fortbesteht, wenn die Verhandlungen über eine neue Vereinbarung nicht erfolgreich sind.


1. Europäische Union
Aktuelle soziale Themen

Neue Europäische Kommission : Am 17. September stellte die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen die künftigen Kommissarinnen und Kommissare im Europäischen Parlament vor – Gewerkschaften und linke Europaabgeordnete waren bestürzt. Denn zum ersten Mal gibt es kein eigenes Ressort Beschäftigung und Soziales mehr. „Die Streichung des Postens des Kommissars für Beschäftigung und soziale Rechte […] sendet eine völlig falsche Botschaft an Beschäftigte über die Prioritäten der neuen Kommission“, betont Esther Lynch, die Ursula von der Leyen dazu auffordert, „das Portfolio der Kommission für hochwertige Arbeitsplätze und soziale Rechte dringend wieder einzurichten“ (s. Pressemitteilung des EGB). Das Ressort des Kommissars für Beschäftigung und soziale Rechte, das Nicolas Schmit innehatte, wird zumindest teilweise durch das der Vizepräsidentin Roxana Mînzatu abgedeckt, ehemalige Ministerin für europäische Fonds in Rumänien. Denn die Sozialdemokratin wird Kommissarin für „Fachkräfte, Kompetenzen und Vorausschau“. Auch wenn die Bezeichnung eher zu einer Consulting-Firma passt, ist sie doch für den Bereich Soziale Rechte des Kommissars Schmit verantwortlich. Ihre Aufgabenbeschreibung entspricht dem Fahrplan, den Ursula von der Leyen für ihre Wiederwahl vorstellte (s. IR Notes 236). Bereits im zweiten Satz erfährt die Kommissarin, dass sie ebenfalls verantwortlich ist für „Kompetenzen, Bildung und Kultur, hochwertige Arbeitsplätze und soziale Rechte“. Der Schwerpunkt liegt auf den Kompetenzen und der Ausbildung von Arbeitskräften. Die Kommissarin soll unter anderem „eine neue Kultur der Vorausschau schaffen, die den Menschen hilft, sich an den Wandel und die Risiken in unserer Gesellschaft anzupassen“. Aber sie soll auch die europäische Säule sozialer Rechte durch einen neuen Aktionsplan stärken und einen „Fahrplan für hochwertige Arbeitsplätze“ vorstellen, um einen „gerechten Übergang für alle“ zu gewährleisten. Ebenfalls zu ihren Aufgaben gehört ein neuer Pakt für den sozialen Dialog mit den europäischen Sozialpartnern (Anfang 2025), eine europäische Strategie zur Bekämpfung der Armut sowie ein Plan für „erschwinglichen Wohnraum“.  Von ihr wird auch erwartet, dass sie sich „verstärkt“ mit den Auswirkungen von Digitalisierung in der Arbeitswelt befasst. Dazu gehört eine Initiative zu algorithmischem Management und die Einführung des Rechts auf Nichterreichbarkeit. Ferner soll sie den europäischen Ansatz bei Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz „verbessern“, um sichere Arbeitsplätze und psychische Gesundheit zu gewährleisten.



Forschungsinstitut für Arbeitgeber : Dreizehn Arbeitgeberverbände, die Arbeitgeber auf nationaler und europäischer Ebene vertreten, haben am 1. Oktober das Europäische Arbeitgeber-Institut gegründet (European Employers’ Institute – EEI). Als Pendant zum Europäischen Gewerkschaftsinstitut (ETUI) soll das EEI „eine zentrale Stelle für branchenübergreifende Forschung zu Themen von gemeinsamem Interesse für Arbeitgeber sein und zuverlässige Daten und Informationen für politische Entscheidungen der EU in sozialen und beschäftigungspolitischen Fragen liefern“ (s. Mitteilung).


Sektoraler sozialer Dialog

Mineralgewinnende Industrie : Die europäischen Sozialpartner der mineralgewinnenden Industrie nahmen am 23. September gemeinsame Empfehlungen für die neue Amtsperiode (2024-2029) an: Zur Verteidigung ihres Sektors  rufen sie zu Aktionen auf, um die Deindustrialisierung in Europa zu verhindern und hochwertige Arbeitsplätze sicherzustellen (s. Mitteilung von IndustriAll Europe).


2. Mitgliedstaaten
Österreich

Klimawandel : Nach den Überschwemmungen durch Sturmtief „Boris“ fordern Gewerkschaften mehr Schutz für Beschäftigte. Beschäftigte, die ihren Arbeitgeber darüber informieren, dass sie wegen einer Naturkatastrophe nicht zur Arbeit kommen können, weil es keine Verkehrsmittel gibt oder weil sie zu Hause bleiben müssen, um ihr Eigentum zu schützen, haben ein Recht auf Lohnfortzahlung (s. Leitfaden Arbeiten Im Klimawandel der Arbeiterkammer). Das Oberlandesgericht Wien hat sich auch für eine Entgeltfortzahlung ausgesprochen, wenn Beschäftigte ihren Familienmitgliedern in Notsituationen helfen und wenn die Hilfe nicht aufgeschoben werden kann (s. Artikel in Der Standard).  Der Gewerkschaftsbund ÖGB erinnert daran, dass seine Mitglieder Anspruch auf eine Entschädigung aus seinem „Katastrophenfonds“ haben, um Unwetterschäden abzudecken. Die Unterstützung beläuft sich auf 250 Euro für eine Schadenshöhe bis 4.000 Euro und auf 400 Euro ab einer Schadenshöhe von 4.001 Euro (siehe z. B. Info von PRO-GE). Die Gewerkschaft Vida stellt zwei Forderungen auf: 1. Alle Beschäftigten, die bei Naturkatastrophen Familienangehörigen, Nachbarn oder anderen Betroffenen helfen, und 2. alle freiwilligen Einsatzkräfte, die Hilfsorganisationen bei Rettungseinsätzen unterstützen, haben Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Dies gilt zurzeit nur, wenn die Kriterien eines Großschadens erfüllt sind: Ein Ereignis, bei dem mehr als 100 Personen durchgehend über mindestens acht Stunden im Einsatz sind. Der Gewerkschaft PRO-GE zufolge könnten deren Löhne und Gehälter durch den Katastrophenfonds abgedeckt werden, den die Regierung angesichts des Sturms auf 1 Milliarde Euro aufgestockt hat (s. Mitteilung). Da es immer mehr Naturkatastrophen durch den Klimawandel geben wird, zielen diese Vorschläge darauf ab, Beschäftigte und Freiwillige, die sich in Krisensituationen engagieren, besser zu schützen und finanziell abzusichern.


Finnland

Diskriminierung wegen Schwangerschaft : Einem Bericht zufolge, der im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Gesundheit erstellt wurde, wird jede vierte Schwangere wegen ihrer Schwangerschaft Opfer von Diskriminierung (s. Pressemitteilung). Fast die Hälfte aller Schwangeren machen negative Erfahrungen, sie haben beispielsweise Angst, ihren Job zu verlieren. Die häufigste Folge dieser Diskriminierung ist die Kündigung befristeter Arbeitsverträge. Nur 1 % der Befragten geben an, sich einem anonymen Meldekanal am Arbeitsplatz anvertraut zu haben. Jede Zehnte hat eine Diskriminierung einer Gewerkschaft gemeldet. Während die Meldekanäle 2023 besser bekannt sind als noch in 2012, hat das Vertrauen der Opfer in diese Kanäle abgenommen und die Angst vor Repressalien zugenommen. Zum ersten Mal liegen mit diesem Bericht umfassende Informationen zu diesem Thema vor, die dem Ministerium zufolge die Notwendigkeit aufzeigen, das Recht von Schwangeren am Arbeitsplatz besser zu schützen.


Niederlande

Missbrauch von Praktika : Die niederländische Arbeitsaufsichtsbehörde verurteilte die Fluggesellschaft Transavia zur Zahlung eines Bußgelds von 46.000 Euro, weil sie gegen das Gesetz über den Mindestlohn und die Gewährung von Mindesturlaub verstoßen hat (s. Artikel von NOS und Pressemitteilung des Ministeriums für soziale Angelegenheiten und Arbeit).  Zwischen Februar und Juni 2022 hatten 60 Schüler von fünf Berufsschulen (MBO) die gleichen Verantwortlichkeiten und Aufgaben sowie die gleiche Arbeitszeit wie die Flugbegleiter des Unternehmens. Die Einschaltung der Arbeitsaufsichtsbehörde führte dazu, dass Transavia den Praktikanten rückwirkend ein Entgelt zahlen muss, das denen festangestellter Beschäftigter entspricht.


3. Unternehmen
Europäische Betriebsräte

Unlauterer Wettbewerb : Der EBR von Siemens Energy und der Gewerkschaftsverband IndustriAll Europe veröffentlichten am 20. September eine gemeinsame Erklärung: Sie äußern sich besorgt über den aggressiven Wettbewerb durch chinesische Hersteller, dem die europäische Windenergiebranche ausgesetzt ist. „Wir erwarten von den Politikern, dass sie uns, die gesamte Windenergie-Wertschöpfungskette und unsere Arbeitsplätze verteidigen“, betont EBR-Vorsitzende Nadine Florian.



Dolmetschen und KI: : Von den ersten Versuchen alarmiert, Dolmetscher bei EBR-Tagungen durch KI zu ersetzen, haben sich der französiche Zweig des Internationalen Verbands der Konferenzdolmetscher (AIIC), der französische Verband freiberuflicher Konferenzdolmetscher (AFICI) und der Verband der französischen Übersetzer (SFT) am 22. April in einem offenen Brief (EN) an verschiedene Behörden gewandt, um diese „vor den kurzfristigen Risiken zu warnen, die mit den Entwicklungen der künstlichen Intelligenz in Bezug auf Qualität, sprachliche Zuverlässigkeit  und Vertraulichkeit des internationalen Austauschs verbunden sind“. Am 13. Juni veröffentlichte der SFT eine ausführlich begründete Stellungnahme zu diesem Thema.


Betriebsvereinbarung

Unterstützung für werdende Eltern : Die deutsche Bank ING-DiBa und  die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben am 16. September eine Vereinbarung über den nächsten Tarifvertrag angekündigt, der rund 5.000 Beschäftigte betrifft und 2025 in Kraft treten wird  (s. Mitteilung). Zu den Neuerungen zählt eine „Familien-Startzeit“ von vier Wochen für den zweiten Elternteil bei Geburt, Adoption oder Übernahme der Pflegschaft eines Kindes. Mit dieser Initiative wird auch zum Teil auf die EU-Richtlinie 2019/1158 eingegangen, die eine gerechte Verteilung von familiären Pflichten fördern soll. Die deutsche Bundesregierung arbeitet zurzeit an ihrer Umsetzung. „Möglichst lange gemeinsame Zeit bei Familienzuwachs ist jungen Familien sehr wichtig“ erklärt Kevin Voss, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Bankenbereich. Die Vereinbarung ist „daher eine großartige Nachricht für werdende Eltern im Unternehmen und ein Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung“ (s. Pressemitteilung).


4. Studien und Berichte

Sexuelle Belästigung : Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) hat einen Artikel über die Folgen der #MeToo-Bewegung veröffentlicht, die in mehreren Ländern zu rechtlichen Änderungen geführt hat. Auf der Grundlage der Informationen des europäischen Korrespondentennetzwerks von Eurofound (zu dem auch IR Share gehört) untersucht die wissenschaftliche Mitarbeiterin Sara Riso verschiedene Ansätze, die die Mitgliedstaaten im Kampf gegen sexuelle Belästigung verfolgen und zeigt die jüngsten politischen Veränderungen auf. Demzufolge passen sich die nationalen Rechtsvorschriften immer mehr der schnellen Entwicklung der sozialen Medien und den zunehmenden Online-Aktivitäten am Arbeitsplatz an, die einen fruchtbaren Nährboden für sexuelle Belästigung bieten (s. vollständiger Bericht)

 


Désabonnement

IR Notes

Eine Einführung

IR Notes ist ein unabhängiger, zuverlässiger und ausgewogener Informationsdienst zu Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in Europa.

Dieser Newsletter erscheint in 6 Sprachen, ist im Abonnement erhältlich und bietet Ihnen Zugang zu prägnanten, zielgerichteten und praxisnahen Informationen zu den wichtigsten Themen des sozialen Europas und des transnationalen sozialen Dialogs.

Gemeinsam mit unseren Experten und nationalen Korrespondenten verfolgen wir einen dynamischen, praktischen und nützlichen Ansatz für das europäische Sozialmonitoring.

Dadurch wählen wir die relevantesten Themen aus, die als Quelle für fachübergreifende und inspirierende Ideen dienen.

Jede Ausgabe enthält:

  • Eine Interview mit einer Expertin oder einem Experten aus dem Bereich der Arbeitsbeziehungen, die/der eine ganz eigene Perspektive auf aktuelle soziale Fragen, Vereinbarungen oder Best-Practice-Beispiele einbringt.
  • Aktuelle Informationen über Entwicklungen in der EU-Gesetzgebung und der Rechtsprechung.
  • Monitoring der arbeitsrechtlichen Entwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten.
  • Berichte über die neuesten Entwicklungen bei den Europäischen Betriebsräten und den SE-Betriebsräten.
  • Schließlich hält IR Notes Sie über die wichtigsten Studien und Forschungsarbeiten aus der Arbeitswelt auf dem Laufenden.

IR Notes
Gemeinsam ein soziales Europa aufbauen

Der IR Notes-Newsletter bietet jedem in Europa Zugang zu einer unabhängigen, zuverlässigen und unparteiischen Informationsquelle zu Themen rund um die Arbeitsbeziehungen

Three questions for Delphine Rudelli

Three questions for Delphine Rudelli

Three questions for Delphine Rudelli, Director General of CEEMET (*) On the delays in transposing the ‘pay transparency’ directive “We are calling for the application of the directive to be suspended while we assess what can be simplified – not to reduce rights, but...

read more...
European Union – Social update

European Union – Social update

European Works Councils The Expert Group set up by the European Commission to help Member States transpose the new Directive (EU) 2025/2450 on European Works Councils is due to submit its report this summer. This report may constitute a useful point of reference when...

read more...
A step in coordination of national social security systems

A step in coordination of national social security systems

At last, a step forward for freedom of movement for workers in the EU On 22 April, representatives of the Council and Parliament reached a provisional agreement on revising the rules on coordination of national social security systems, as provided for by regulation...

read more...
Picture of Nora Krokovay

A question for… Nora Krokovay

A question for…Nora Krokovay, Senior Analyst at Kopint-Tárki What changes can we expect in terms of social dialogue and labour law in Hungary following the elections that brought an end to Viktor Orbán’s 16-year leadership? The atmosphere was very euphoric and joyful...

read more...
Improvements in job quality

Improvements in job quality

Eurofound notes improvements in job quality in Europe Now that the European Commission has announced its intention to present a bill on job quality by the year end, the results of the latest European Working Conditions Survey (EWCS) will be scrutinised very...

read more...
Is pay transparency the new enemy to be targeted?

Is pay transparency the new enemy to be targeted?

After seeing off the corporate sustainability reporting and due diligence directives, Member States appear ready to tackle the pay transparency directive, which is due to be transposed in Member States by 7 June 2026.Not only are many countries behind schedule, but a...

read more...
A question to… Lidia Gil Otero

A question to… Lidia Gil Otero

A question for…Lidia Gil Otero, PhD Assistant Professor in Labour and Social Security Law at Santiago de Compostela University In the context of the Digilare project (*), you advocate using the transposition of the Platform Work Directive, which is due to be completed...

read more...